Geschäftige Zeiten

von Gisela Langen
Gisela geb. 3.11.1934, gest. 23. März 2012
mit ihrer Großnichte Marthe Schmidt
Heinrich und Josefa Kleinjohann
Opa und Oma Kleinjohann waren solide und fromme Leute. Sie hatten eine kleine Landwirtschaft mit nur einer Kuh, einem Schwan und Hühnern. Es war nicht einfach die große Familie über die Runden zu bringen. Unsere Mutter Maria erzählte oft, dass es morgens nur Bratkartoffeln und Milchsuppe gab um die acht Jungen und die beiden Mädchen satt zu bringen.
Goldhochzeit von Heinrich und Josefa Kleinjohann
Unsere Großeltern feierten 1933 das Fest ihrer Goldenen Hochzeit. Es war die erste Goldhochzeit in der Pfarre Dattenfeld. Sie wurden im Kreise der Familie und der Nachbarn groß gefeiert. Auch die Schulkinder waren eingeladen. Sohn Bernhard war für kurze Zeit in Schladern als Junglehrer eingesetzt, bevor er nach Eschmar versetzt wurde.

Aufgenommen in Poppels Pavillon, o. Reihe. v. li.: Anna, Karl, Peter, Maria, Bernhard, Hubert; u. Reihe .v. li.: Heinrich, Josefa, Heinrich senior, Josef
Die Töchter Maria und Anna gingen zur Haushaltslehre nach Düsseldorf (etwa um die 1920er Jahre). Meine Mutter Maria kam zu einer Bankdirektor Familie, Tante Anna zu einer Apothekerfamilie. Als Maria heimkehrte, ging sie in die Näherei nach Wilberhofen.
Zigarrengroßhandel Hermann Langen I
In der Siegstraße, im heutigen Mietshaus Höffer, wo früher Manfred Höffer sein Büro hatte, wohnten früher Onkel Hermann Langen I (Bruder von Heinrich) mit seiner Frau, Tante Clara. Seine Schwester Gertrud war die erste Frau von Wilhelm Höffer, daher die Verwandtschaft zur Familie Höffer. In dem Haus, wo Onkel und Tante wohnten, war im hinteren Eingang eine Halle, dunkel und ein modriger Geruch. Als Kinder sind wir dort gerne hingegangen. Tante Clara war von adliger Herkunft. Sie wusste sich entsprechend zu kleiden. Sie fabrizierte ihre Hüte selbst, Kompott-Hüte. Ihre Haare drehte sie mit Lockenwicklern aus Pergamentpapier auf. Ihre Schuhe waren für die damalige Zeit modische mit Schleifchen. In der Wohnung war es auch ziemlich dunkel. Es standen dort ein grünes Plüschsofa und entsprechende Möbel. Ihre Kochkünste kannte ich nicht. Sie wurde später von Höffers versorgt. Als Lohn erhielten sie das Wohnhaus. Tante Clara besaß viele Kitschbücher, ähnlich wie Courths-Mahler, aber spannend. Margret hat sich die Bücher ausgeliehen und mit Spannung gelesen. Auch hatte Tante Clara hohe Schuhe für Schlittschuhe. Margret bekam diese zum Schlittschuhlaufen auf dem Höffers Teich.
Familie Langen
Jetzt zur Familie Langen. Unsere Großeltern Langen stammten aus Brühl. Von dort zogen sie in den Westerwald und kauften Gut Honneroth bei Altenkirchen und betrieben eine Landwirtschaft.
Ihre drei Söhne, Josef, Hermann II und Johann wurden zur Ausbildung als Volontäre auf große Güter im Münsterland geschickt. Die Landwirtschaft sagte ihnen nicht zu, sie verkauften das Gut wieder und zogen 1913 nach Schladern. In der Bahnstraße in Schladern bauten sie die Handwagenfabrik „Heinrich Langen“ auf.

Die Söhne wurden folgend eingeteilt: Onkel Josef war für den Betrieb zuständig, Onkel Hermann II für den kaufmännischen Teil und unser Vater war für den Außendienst zuständig und im süddeutschen Raum viel auf Geschäftsreisen. Ihre Schwester Lieschen (Elisabeth) heiratete nach Betzdorf.
Ihr Mann, Heinrich Nassen, hatte dort ein großes Restaurant „Bürgergesellschaft“. Nach einigen Jahren wurden sich die Brüder uneinig und trennten sich.
Betrieb im Lehmberg
Unser Vater machte sich selbständig, nachdem unsere Eltern gemeinsam den Betrieb im Lehmberg erbauen ließen. Es war eine Holzhandlung und Sägewerk. Es wurden Transportkisten und Stiele hergestellt. Meistens waren drei bis vier Arbeiter angestellt. Nach 1940 waren hier viele russische Gefangene. Sie waren im Lager untergebracht. Als Kinder sind wir öfter dorthin gegangen und haben Brot gebracht, was eigentlich verboten war. Wir bekamen dafür aus alten Dosen Ringe gemacht. Papa hatte auch eine Russenfamilie als Arbeiter im Betrieb aufgenommen. Sie wohnten im oberen Teil des Betriebes. Der Mann Petro machte erst einen ehrlichen Eindruck, aber wir hatten uns geirrt. Im oberen Teil des Betriebes hatte ein Kriegsfreund (aus 1. Weltkrieg), Herr Utzerath, zur Sicherheit wertvolle Gemälde und andere Möbel untergebracht. Eines Tages hatten die Russen die Sachen gestohlen. Es war für Opa eine sehr ärgerliche Sache, aber zum Glück konnten die gestohlenen Sachen im Krankenhaus Dattenfeld sichergestellt werden. Herr Utzerath hatte in Euskirchen ein Hotel und Wein und andere Getränke bei uns im Garten eingraben lassen, weil diese gerne gestohlen wurden.


Der Laden
Unsere Mutter, Maria Langen, hatte sich im Laufe der Jahre (20er Jahre) ein Lebensmittelgeschäft im Elternhaus aufgebaut.

Maria Kleinjohann mit Eltern und Bruder Hubert. 1930 baute sie auf dem Grundstück im Vordergrund
Es lief sehr gut, nur die Anlieferung der Ware war sehr schwierig. Ihr Bruder Hubert brachte ihr die kleinen Sachen aus Köln mit, Käse usw. Die Kunden waren zufrieden und kamen gerne zum Einkaufen. Nebenbei wurden auch Neuigkeiten ausgetauscht. Nachdem unsere Eltern verheiratet waren, wurde gemeinsam unser jetziges Haus (Burg Windeck Str. 10), gegenüber dem Stammhaus Kleinjohann gebaut. Das Geschäft wurde hierhin verlegt und vergrößert.
Der Laden war gemütlich. Es gab die schönsten Sachen. Es wurden Lebensmittel, Haushaltswaren, Gartengeräte, Textilwaren und mehr angeboten; in der Weihnachtszeit auch Spielwaren. Die Ladeneinrichtung war mit großen Spiegelschränken und mit drei großen Schaufenstern ausgestattet. Ölkanister und Essigfässer waren seitlich, alles wurde lose abgefüllt. Eine Kasse gab es nicht, es wurde auf Blättchen ausgerechnet. In den Kriegsjahren war alles schwierig. Es gab Lebensmittelkarten und jeder Haushalt bekam eine kleine Menge zugeteilt. Sonntags mussten die Lebensmittelmarken aufgeklebt werden und montags zum Amt in Rosbach zur Abrechnung gebracht werden. Mama ist oft mit dem Handwagen nach Leuscheid gefahren um Butter zu holen. In Windeck haben wir die Eier bei Rittmeister Nacken besorgt.
Als Kinder gingen wir öfter zu Tante Therese (Frau von Hermann Langen II) und den Kindern. Sie hatten hinter dem Haus (Bahnstraße) im Garten einen Spielplatz. Mit Schaukeln, Wippe, Rundlauf …

v. li: Margret, Gerd und Fred Langen
Auch an den Festtagen wie Weihnachten gingen wir mit unseren Eltern zum Kaffee oder Abendessen, es war immer schön. Weihnachten bekamen wir Bücher geschenkt. Am zweiten Tag kamen sie dann zu uns oder umgekehrt. Es wurden Gedichte aufgesagt und Lieder. Gerd trug meistens das Gedicht „Von drauß‘ vom Walde komm ich her“ vor. Auch wurden musikalische Stücke auf dem Klavier angeboten.
Fast jeden Sonntagnachmittag besuchten wir mit unserem Vater die Oma Langen, die schon Jahre krank im Bett lag. Eigentlich hatten wir Kinder wenig Kontakt mit ihr. Wir spielten meistens in ihrer Küche und sorgten für Durcheinander. Auf dem Holzplatz war auch ein Wachhund namens Lux. Papa erzählte uns, als er noch mit in dem Betrieb gewesen sei, hätte Lux ihn jeden Abend nach Hause begleitet und sich vor unsere Ladentreppe gelegt.

Die Eltern der Langen-Brüder, Heinrich Langen und Helene, geb. Söhngen
Weihnachten
Weihnachten wurde immer schön gefeiert. In großer Erwartung freuten wir uns auf den Heiligen Abend. Die Bescherung fand am Weihnachtsmorgen statt. Der Weihnachtsbaum wurde im Büro aufgestellt. Die Geschenke waren auch sehr schön, wir bekamen Puppen und Puppenwagen geschenkt. Auch bekamen wir einen schönen Roller und jede einen Schlitten. Ich habe mich gerne in der Küche beschäftigt und bekam allerlei an Küchenzubehör. Als Margret und ich am Weihnachtsmorgen aufwachten, konnten wir vor Spannung nicht mehr schlafen und schlichen ins Wohnzimmer. Alles roch so weihnachtlich. Unsere Eltern erschienen etwas später in festlicher Kleidung.

Margret und Gisela
Einige Wochen vor Weihnachten wurden die Plätzchen gebacken. Tante Gertrud aus Eschmar kam mit Dieter und half Tante Anna dabei. Meistens wurden Honigkuchen, Haferflockenmakronen, Spritzgebäck und Spekulatius gebacken. Auch Pralinen und Marzipan wurden selbst gemacht.
Kriegsjahre
1939, als der Zweite Weltkrieg ausbrach, wurden auch für uns die Zeiten schwieriger. Durch das Lebensmittelgeschäft waren wir noch einigermaßen gut versorgt. Ich erinnere mich noch gerne als wir, Margret 1941 und ich 1943, zur Kommunion gingen. Durch die Flieger brauchten wir nicht zum Unterricht nach Dattenfeld. Die Kapläne kamen hierhin und der Unterricht fand meistens bei Höffers oder bei uns statt. Wir bekamen viel Spaß. Vikar Landsberg zeigte uns Micky-Mouse-Filme oder Filme von uns beim Schlittenfahren umgekehrt, wir fuhren den Berg rauf und liefen runter. Die Fahrgelegenheit war am Weißen Sonntag schlecht, die Privatautos mussten zum Militär abgegeben werden, und so fuhren wir mit Höffer’s Lastwagen mit Holzkocher nach Dattenfeld. Die Familienfeier war spärlich. Bei Margret war es noch einigermaßen, bei meiner Feier waren Speisen knapper. Ich kann mich nur an Grießkuchen erinnern. Über die meist praktischen Geschenke, freuten wir uns.
Einquartierung
Die Einquartierung von Soldaten kam auf uns zu. Wir hatten Glück und bekamen nette Soldaten zugeteilt. Karl Heinz Haase kam aus Norddeutschland und erhielt von seinen Eltern oft Feldpost-Pakete mit guten Fischkonserven und Süßigkeiten. Wir bekamen auch etwas mit. Bei Höffers früherer Krautfabrik waren Soldaten mit Pferden stationiert. Morgens gingen wir dorthin und durften bis zum Sportplatz reiten.
Von Bombenangriffen wurden wir verschont. In Schladern wurde das Haus der Familie Sand (nach Neuaufbau dann Ronneburg) im Falkenweg, (früher Schulstraße) durch eine Fliegerbombe mit Volltreffer komplett zerstört, es gab sogar Tote. Bei Höhnrath fiel eine Luftmine mit gewaltigen Erschütterungen, durch den Luftdruck wurden bei uns alle Schaufenster zertrümmert, im Krummauel stürzte ein Flugzeug ab. Die letzte Kriegszeit verbrachten wir mit unseren Mietern meistens im Keller. Unser Vater, Jahrgang 1890, wurde noch zum Westwall eingezogen. Es war für uns eine schlimme Zeit, die glücklicherweise nicht lange dauerte. Er hatte sich mit Anton Steckelbach aus Windeck aus dem Staub gemacht. Zuhause hatte er sich im Keller versteckt. Wenn man ihn gefunden hätte, hätte es sein Leben gekostet.
Onkel Peter (Kleinjohann) war zu dieser Zeit hier. Wir waren froh als der Krieg vorbei war und die Amerikaner einzogen. Es wurde erzählt Onkel Peter wäre ihnen mit einer weißen Fahne entgegen gegangen. Die Amerikaner schlugen ihm den Hut vom Kopf. Die Besatzung nahm verschiedene Häuser in Beschlag und ließ diese räumen. Wir hatten Glück, Margret hatte englische Sprachkenntnisse und konnte mit ihnen verhandeln. Weil wir ein Lebensmittelgeschäft hatten, nahmen sie Abstand und wir konnten wohnen bleiben. Ganz schlimm war es, wenn sie herausfanden, wer Nazi war.
Nach dem Krieg
…waren Siegbrücke und Eisenbahnbrücke gesprengt. Um nach Rosbach zu kommen fuhren wir mit einem Bötchen über die Sieg und gingen zu Fuß über Mauel nach Rosbach. In Rosbach war ein größeres Kaufhaus (Felsing). Dort gab es allerlei Puppen, Bilderbücher und andere Spielsachen. Leider hatten wir nicht viel Geld (Taschengeld kannten wir nicht). Im Sommer gingen wir in die Sieg zum Schwimmen. Als wir hungrig nach Hause gingen, kamen wir an der Bäckerei Lenz vorbei und holten uns entweder eine Zuckerbrezel oder Hefeteilchen. In der schlechten Zeit gab es auch Brot nur auf Zuteilung und man musste sich dafür in Schlangen anstellen. Meistens gab es Maisbrot. Oft war an der Ladentür ein Schild „kein Brot da“. Bei Kannegießers holten wir für zehn Pfennig Heringssalat im Pergamentpapier. In dem kleinen Lädchen roch alles so gut nach Obst und Gemüse. Obst bekamen wir nur gekauft, wenn wir krank waren.
Um unsere Lage zu verbessern, hatten wir im Sommer Feriengäste. Das Haus war belagert. Tante Anna, Mama’s Schwester, die den Haushalt führte, backte immer frischen Kuchen. Auch die Brüder aus Köln, Onkel Peter und Onkel Karl, kamen öfter mit ihren Söhnen, die hier ihr Unwesen trieben. Auch Tante Gertrud mit Dieter kam oft. Es wurden Spaziergänge nach Windeck gemacht. Onkel Peter und Onkel Karl besuchten dort ihre Schulfreunde. Wir gingen meistens zum Trina (Reisdorf). Onkel Karl hatte unterwegs seinen Spaß daran, den Leuten, denen er begegnete, seinen Doktortitel zu unterschlagen, er erzählte, er sei Briefträger.
Johann Langen
Papa rauchte gerne und viel (Zigarillos). Die Küche war oft, wenn wir aus der Kirche kamen in dichtem Nebel. Mama meckerte dann und Papa sagte: „Ich habe doch nur eine Zigarre geraucht!“
Er machte oft Autotouren in den Westerwald, nach Altenkirchen und nach Hattert. Dort hatten Bellingens, Cousinen von Opa ein Restaurant, u. a. wohnte dort die Cousine Tante Lieschen, die Mutter vom späteren BKA-Chef Paul Dickkopf. Es war so gemütlich in der Kaffeerunde, und es wurde aus alten Zeiten erzählt. Öfter fuhren wir auch zur Abtei Marienstatt durch wunderschöne Buchenwälder. Sonntagnachmittags fuhren wir zu Papa’s Schwester Lieschen (geb. Elisabeth Langen) nach Betzdorf. Dort hatten sie und ihr Mann Heinrich Nassen ein großes Hotel, die „Bürgergesellschaft“. Tante Lieschen kam öfter nach Schladern, um ihre drei Brüder zu besuchen.

Maria Langen

Maria Langen, geb. Kleinjohann, *7. März 1896 – gest. 9. Mai 1985
Mama hatte den Haushalt „im Griff“. Morgens um sieben Uhr wurde der Küchenofen angeheizt und das Essen für den Mittag vorbereitet. Die Kochzeit war meisten von sieben bis zwölf Uhr, es war alles butterweich und die Vitamine verkocht. Sie unterhielt Gärten rund um’s Haus, am Stammhaus und ihm Lehmberg. Wenn ich die Beete schön aufgehackt hatte, kam sie mit großen Schuhen und trat alles platt, überall musste noch etwas dazwischengesetzt werden. Opa Heinrich Langen kam aus dem Vorgebirge und hatte beste Gartenerfahrung, er diente bei der Gartenarbeit als Vorbild. Im Sommer, wenn die Sonne schön schien, setzte Mama sich hinter das Haus. Als Sonnenschutz hatte sie ein Rhabarberblatt mit kurzem Stiel als Blitzableiter auf dem Kopf. Wir waren darüber oft verärgert, weil sie wie eine Vogelscheuche aussah. Auch in der Einmachzeit wurde der Herd in aller Hitze auf Hochtouren gebracht. Die Küchentüre wurde aufgemacht und die Wärme zog ins Haus. Das gab Ärger. Auch handwerklich war Mama gut. Es wurde alles repariert. Papa war für den Haushalt nicht zuständig, aber das Kaffeewasser kochte bereits, wenn wir sonntags aus der Kirche kamen.
Sonntags in der Küche
Nach der Messe trugen sich in der Küche heiße Szenen zu. Kleinjohanns waren unter sich. Gertrud und Luzie Hundhausen kamen zum Diskutieren. Gertrud wohnte mit Emil Hundhausen (Dentist und Heimatforscher) gegenüber, und Luzie kam mit Karl (Maler) am Wochenende zu Besuch aus Köln, später lebten auch sie in Schladern. Mama ließ die beiden reden und lief dann zu Hochform auf und gab ordentlich Kontra. Meistens ging es um Kleider, Künstler und Bilder. „Och Gott, joohh, wenn ich dat alt hüren, Künstler!“ Der Blutdruck ihrer beiden Nichten schnellte auf 250, mit hochroten Köpfen gingen sie nach lautstarken Streitgesprächen, die jeder von draußen mithören konnte, nach Hause, um nach kurzer Zeit wieder zu kommen und die nächste Runde einzuläuten.

Bei schönem Wetter traf man sich abends vor der Haustüre. V. li.: Maria und Johann Langen, Luzie Hundhausen, Anna Kleinjohann und Bruder Peter.
Auch die Brüder Kleinjohann kamen regelmäßig zu Besuch und stritten sich wie die Kampfhähne um Kleinigkeiten. Papa verzog sich, er mochte keine Streitigkeiten. Damit war er wahrscheinlich auch gut beraten, denn die Kleinjohanns stritten sich nur solange untereinander, solange sich kein Dritter einmischte. Wagte ein Nicht-Kleinjohann eine Kritik, hielten sie zusammen wie Pech und Schwefel.
Papa war jedenfalls in seiner Art viel feiner. Er wurde oft von Kleinjohanns beneidet, weil er ein Auto hatte, die Brüder seiner Frau hatten alle keinen Führerschein, sie hatten Angst, das Auto käme nicht mehr zum Halten.
Unser Spielplatz war das alte Siegbett, der Bauernhof Fredebeil und Poppel’s Lagerplatz.
Dort haben wir den Schwellenbach aus Windeck geärgert und vieles kaputt gemacht. Ostern gingen wir zum Eierwerfen auf die Veilchenwiese (heutige Siedlung). Es war wunderschön.
Eine besondere Nachbarin war Tini (Katharina) Röhrig, mit der wir viel Spaß hatten. In den 1970er Jahren zog ihr gegenüber die Baronin von Fresenburg mit ihrem Mann ein. Tini, eine rheinische Seele aus Elsdorf, verband eine enge Freundschaft mit der neuen Nachbarin. Sie nannte sie nur „de Baronse“, beide fuhren oft gemeinsam in den Urlaub nach Bayern. Weitere Nachbarn waren Rektor Karl Müller und seine Schwester Angela. Frau Röhrig war eine Gartenliebhaberin, aber sie hatte immer Ärger mit der Schneckenplage. Als Dünger benutzte sie Hümix (Hühnerdung). Wegen des Geruchs bekam sie Ärger mit Fräulein Müller. Tini konnte das nicht verstehen und sagte: „Ihr kommt beide aus dem Osten, der Kornkammer Europas.“
(HJH)