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Familienporträt Kleinjohann um die Jahrhundertwende

Text | Dorfgeschichten, Personen | 01.01.1900

aufgeschrieben von Sylvia Schmidt nach Erzählungen ihrer Großmutter Maria Langen

Um 1900 ging es am Sonntag fröhlich zu bei Kleinjohanns in Schladern. Der strohblonde Briefträger Heinrich und seine dunkelhaarige Gattin Josefa machten sich in der Früh’ auf, um rechtzeitig zur Messe in Dattenfeld zu erscheinen. Zurück blieben zehn Blondschöpfe, die Mädchen Anna und Maria und acht Jungen. Die Kleinsten schliefen in Schubladen und waren die Eltern erst aus dem Haus, ließ es sich wohl leben. Kamen die Eltern zurück, bot sich ihnen ein grauenhafter Anblick, die lieben Kinder waren über und über mit Rübenkraut beschmiert und hatten auch sonst überall ihre Spuren hinterlassen. Wer in der Familie nicht zu kurz kommen wollte, durfte nicht auf den Mund gefallen sein, die Streitkultur wurde in Diskussionen über jedes und alles lautstark gepflegt, was dazu führte, dass alle Mitglieder selbstbewusst auf ihrer Meinung beharrten, sich nichts sagen ließen und einen starken Eigensinn entwickelten.

Heinrich und Josefa Kleinjohann
Heinrich und Josefa Kleinjohann

In idyllischer Umgebung, führte die vielköpfige Familie alles andere als ein romantisches Leben. Gesegnet mit einer Kinderschar wie die Orgelpfeifen, bedurfte es aller Kräfte um die Münder zu stopfen. In den 1880er Jahren hatten Heinrich und seine Josefa aus Altwindeck im prosperierenden Schladern ein großzügiges Fachwerkhaus mit 10 Zimmern und Blick auf die Burg gebaut. Hinter dem Haus, in einer großen Scheune, befand sich Unterkunft für eine Kuh, Hühner und Gänse. Verstreute Wiesen und Felder im Ort dienten der Viehhaltung und dem Anbau von Kartoffeln und Getreide. Sobald die Kinder alt genug waren, mussten sie mit anpacken.

Stammhaus Kleinjohann Ende 1920
Stammhaus Kleinjohann Ende 1920

Beim ersten Hahnenschrei begann Heinrich seinen Dienst. Nach dem Sortieren der Post führte ihn sein Weg von Schladern nach Altwindeck, Höhnrath, bis ins bergische Hahnenbach. Die einsamen Gänge durch den Wald nutzte er, um den Rosenkranz zu beten. Daheim hatte seine Frau alle Hände voll zu tun, um die Kinder, die nur Unsinn im Kopf hatten, und das Haus zu versorgen. Der Nachwuchs sollte eine gute Ausbildung erhalten, so wurden Anna und Maria für einige Jahre nach Düsseldorf geschickt, um das Haushalten zu lernen. Den Jungen packte die Mutter morgens die Bratkartoffeln ins Pergamentpapier, dann machten sie sich auf den Weg nach Köln, wo sie studierten oder einen Beruf erlernten. Auch ein Klavier wurde angeschafft, auf dem allerdings vorerst außer Sohn Bernhard niemand spielen durfte. Erst die beiden Kinder von Maria durften viele Jahre später, zwei und vier Jahre alt, auf dem Klavier herumklimpern und Großvater Heinrich befand: „Die Kinder können spielen!“

Der erste schwere Schicksalsschlag traf die Kleinjohanns als Sohn Hubert, der Erzählung nach der Augenstern seiner Mutter, im Schwarzen Loch auf dem Weg nach Mauel (heute Parkplatz vor Elmores-Villa) beim Schlittschuhlaufen ertrank. Sohn Otto, mehr noch ein Kind als ein Mann, kam im Ersten Weltkrieg nicht wie versprochen vor Weihnachten nach Hause, er fiel 1916 in Frankreich. Auch der dritte Sohn Hubert, der nach dem verstorbenen Robert, genannt Hubert, benannt worden war, starb 1930. Vier Jahre später starb sein Bruder Bernhard an Tuberkulose.


Burg-Windeck-Straße 7