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Verblasste Spuren der Franziska Michels aus Altwindeck

Text | Personen | 06.02.2025

von Sylvia Schmidt, August 2024

 

 
 
 
Am letzten Tag des Jahres 2023 kam mir ein altes Poesiealbum von Joh(Anna) Tibus (später verheiratete Penni/Windeck) aus Dattenfeld in die Hände. 
 
Eingefügt waren zwei Postkarten aus dem Jahr 1909 an Franziska Michels in Windeck (heutige Altwindeck). Geschrieben hatte sie Gerhard Penni, der Nachbarssohn und älteste Bruder von Johannas späterem Ehemann Josef Penni aus Altwindeck. 
 
 
 
 
Karte 1 
 
 
 
 
 
Karte 2
 
 
 
Diese Bild von Gerhard Penni hängt im Heimatmuseum in Altwindeck, sein Gesicht wurde aus einer Fotografie ausgeschnitten und in das vorgefertigte Bild eingesetzt. 
 
 
Weil Gerhard unterschrieben hatte mit „Dein Freund“, war mein Interesse geweckt. Denn Gerhard, Jahrgang 1887, zog fünf Jahre später in den Ersten Weltkrieg und galt ab 1915 als verschollen. Er kam nie zurück. Franziska war seine Nachbarin, deren Namen ich aus Altwindecker Erzählungen meiner Schwiegermutter (der Tochter von Gerhards Bruder Josef) oder von Nachbarn schon einmal gehört hatte. 
 
 
Hier sitzt Gerhard mit zwei Unbekannten Damen vor dem Hause Nacken, das an Haus Michels angrenzt. 
 
 
 
 
Ich kramte weiter in meiner Bilderkiste und fand dieses Foto, schätzungsweise aus Mitte der 1940er Jahre. Es zeigt meine Schwiegermutter Helene Penni (Salz) und im Hintergrund das Haus Michels, heute Neukirchen. Im kleineren Häuschen, das es heute nicht mehr gibt, hat Franziska Michels gelebt. Sie ist Handarbeitslehrerin in Altwindeck gewesen. Aus etwa gleicher Zeitstellung, 1942, fand ich ein weiteres Foto mit einer Widmung. Es zeigt die Familie vom Altwindecker Lehrer Böhlefeld.
 
 
Frau Böhlefeld mit ihren Kindern.
 
 
 
 
Auf der Rückseite schreibt Tilly dem lieben Fräulein Franziska zum steten Gedenken zum Namenstage gewidmet am 9. März 1942.
 
In der eigentlichen Frage, ob es eine engere Beziehung zwischen Gerhard und Franziska gegeben haben könnte, kam ich nicht weiter. Ich wandte mich an Ralf Neukirchen und seine Familie. Er ist der Urenkel von Franziskas Bruder Johan, der auch im 1. Weltkrieg gefallen war. Ralf hatte schon für unsere Windecker Heimatgeschichten, Band 2, die Geschichte seines Großvaters, der ebenfalls Johan hieß und im 2. Weltkrieg in Russland gefallen war, aufgeschrieben. 
 
Ralf forschte nach und schrieb zurück:
 „Franziska war die Tante von Opa Johann – dessen Grab wir ja in Russland wiedergefunden haben. Anbei noch ein altes Foto vom „Einzug der Damen bei der Wallfahrt in Kevelaer“.
 
 
Franziska ist die 3. von rechts, linke Reihe. Dahinter, die 4. v. r. ist Luise Wehner (Schwester meiner Uri) und die 5. v. r. schließlich ist Maria Michels – meine Uri – die Mutter von Johann.
 
Die Kevelaer-Wallfahrt ist von 1928 (damals mit dem Zug und man musste dort übernachten…)
 
Ich versuche, noch was rauszubekommen…Mama auch… Wir melden uns dann … und Du bleibst bitte auch am Ball! – Danke!"
 
 
Das ist der letzte Stand der Dinge. Immerhin, Franziska Michels ist nicht ganz vergessen.