Kaufhaus Zimmermann
Die Geschichte des Kaufhauses Zimmermann / Altwindeck
von Marie-Luise Nacken, geb. Zimmermann

Haus Zimmermann (Mitte) ca. 1905, Schloss ragt über den Ort
Alles fing mit einem Haus Hall an. Seine Geschichte geht nicht nur weit zurück, es stand zuvor auch an einem anderen Ort, nämlich im Nachbarort Höhnrath/Jucht. Dies wusste der vor einigen Jahren verstorbene Altwindecker Bruno Althoff noch in der Dorfzeitung „Däller Rundschau“, Ausgabe Dez.2009, zu berichten. Es soll dort als Fachwerkhaus mit Scheune Mitte des 18. Jahrhunderts erbaut worden sein. Irgendwann wurde es dann abgerissen und an der heutigen Adresse „Im Thal Windeck 21“ neu aufgebaut und mit einem Ladenlokal erweitert. Darin wohnte Johann Peter Hall (*29.11.1859) mit seiner Frau Wilhelmine (1867). Sie heirateten am 16.11.1891, die Ehe blieb kinderlos.

v. li: Johann Peter Hall, seine Frau Wilhelmine, geb. Zimmermann. Gottfried Zimmermann, Caroline Weifen und Johann Zimmermann vor dem Haus in Altwindeck

Sicht aufs Haus von der Straße Im Thal Windeck aus
Wilhelmines Bruder Gerhard Zimmermann verstarb früh. Gottfried, mein Großvater, war zu dem Zeitpunkt sieben Jahre alt. Seine Mutter Katharina war mit sechs Kindern alleine. So kam es, dass die Halls sich Gottfrieds, Gerhards Sohn, annahmen (s. Bild 2).

Gottfrieds Eltern (Hochzeit 17.10.1891 in Dattenfeld)
Gerhard Zimmermann (1860-1901), und Anna-Katharina, geb. Salz, (1869-1945)
Ihre sechs Kinder:
Wilhelmine 1886 - 1903
Johann 1892 – 1978
Gottfried 1894 – 1958
Gerhard 1898 – 1987
Katharina 1900 – 1910
Karoline 1902 – 1993
Einige sind auf dem folgenden Foto zu sehen

Gruppe vorm Haus
Von vorne links:
Kinderreihe: Kommunionkind Hedwig Zimmermann (1926), Tochter von Gottfried Z.; Bruno Althoff (1932 - Sohn von Karoline); Ewald Zimmermann (1929 - Sohn von Gottfried); Marianne Zimmermann (1926 - Tochter von Gerhard Z. -1898)
Johann Zimmermann (1892); seine Mutter Katharina Zimmermann (1869); Johann -Peter Hall (1859); Maria Zimmermann (1901); Wilhelmine Zimmermann (Ehefrau von Gerhard Z.); Karoline Althoff (1902, geb. Z.)
Wilhelm Wirges (Bruder von Maria Z.); Gottfried Zimmermann; Fritz Althoff (Ehemann von Karoline); Emilie Cleven (Schwester von Maria Z.); Gerhard Zimmermann (Bruder von Gottfried und Johann)

Haus ca. 1910 im Schnee


Soweit bekannt, hat Johann Hall auch gebacken, in der alten Waschküche, einem kleinen Gebäude zwischen Haus und Scheune. Er ging auch in den Wald zum Lohe schälen (Lohe war Eichenrinde und wurde zum Gerben gebraucht).

Schlittenfahrt vom „Over“ (Auffahrt zu Lichius/Müller 1930er, Schloss im Hintergrund

Schul- und Heimatfestheft 1950

Schüler Geburtsjahrgang 1894

Entlassungszeugnis

Kommunion

Gottfried

Schießclub 1922; mein Großvater rechts an der Stange
Auch in anderen Vereinen war er aktiv, u.a. im Gesangverein Schladern, TuS Schladern usw.
1922-1940 war er Mitglied des Vorstands der Windecker Elektrizitätsgenossenschaft (darüber gibt es auch noch alte Unterlagen)
Kurzer Lebenslauf:
Gottfried Zimmermann 13.01.1894 – 12.07.1958
1900 - 1907 Schule in Windeck
Landwirtschaftliche Winterschule Waldbröl 1907/1908
01.05.1908 -30.04.1914 Kataster-Gehilfe in Waldbröl
1915 Einberufung zum Heeresdienst nach Lothringen
1. Weltkrieg Zahlmeister (Eisernes Kreuz 2.Klasse)
1921 Feldunterinspektor bei der Finanzkasse Waldbröl/Siegburg/Rosbach
1924 Hochzeit mit Maria Wirges, 1.Kind 1926, 2. Kind 1929
1934 Finanzamt Siegburg
Ehrenkreuz für Frontkämpfer
1937 Führerschein Klasse 1 und 3
1938 Einberufungsbefehl
1942 Stabszahlmeister, Dienstgrad Feldinspektor der Husaren

Gottfried Zimmermann (rechts)
Seine Ehefrau Maria Wirges wurde in Windeck (Altwindeck) im Haus Zimmermann (Im Thal Windeck, heute Gerd Warminski) am 7.7.1901 geboren, Sie ist 1904 mit Familie nach Dattenfeld gezogen (Wirges-Dattenfeld, eigene Geschichte).

Maria Wirges (* 07.07.1901)
Sie ist im Pensionat St. Maria in Hehn (heute Stadtteil von Mönchengladbach) gewesen, wovon es heute noch ein Buch mit Kochrezepten gibt.
Hochzeit mit Gottfried Zimmermann: 27.08 1924 Standesamt Rosbach, 28.08.1924 Kirche Dattenfeld

Ehepaar Zimmermann

Kinder Hedwig, * 14.02.1926, und Ewald, * 13.09.1929

Familie Zimmermann

In der Küche
von links Johann-Peter Hall, daneben zwei belgische Soldaten, Ewald und Hedwig sowie Mutter Maria Zimmermann beim Mittagessen.
Der „Tante-Emma-Laden“ ging am 05.05.1925 von Johann Peter Hall auf Gottfried und seine Frau Maria Zimmermann über. Johann-Peter Hall verstarb am 29.09.1947 in Windeck. 1952 wurde das erste Schaufenster gebrochen. Währenddessen fand der Verkauf im Flur statt.

vor der Ladentür

Haus und Hof

Hofeinfahrt

neue Postadresse

Gottfried war weiter berufstätig und half aus, wo er konnte, auch mit Onkel Johann-Peter Hall.
Hinterm Haus standen unterschiedliche Obstbäume - Renekloden, Mirabellen, Kirsch- und Apfelbäume.

Jahrgang 1929, Schulbild Ewald Zimmermann, Josefa Lichius (verh. Müller), Günter Weifen

Schuleingang


Gruppenfoto Schule

Kommunion Ewald 24.04.1938

Windecker Jungen,
v. l. Ewald Zimmermann, Bernd Joest, Günter Weifen, Walter Müller und Theo Baur.
Den Schießclub gibt es schon lange und man wird quasi als Windecker hinein geboren.

Schießclub Altwindeck
Vordere Reihe: Rolf Steckelbach, Heinz Petri, Resoribrüder Günter und Edwin
Hintere Reihe: Heinz Heuser, Franz-Josef Simon, Paul Steinhoff, Theo Baur, Schießmeister Heinrich Schmidt, Ewald Zimmermann, Josef Thiel, Willi Heuser
Ewald Zimmermann erlernte 1944 -1947 den Beruf des Drogisten in der Medizinal -Drogerie Krewel und Leuffen in Eitorf soweit das möglich war.

Lehre Krewel Leufen

Lehrjungen mit Kumpel Ernst Seidel

Lehrvertrag 1944 -1947

Seidel und Zimmermann; Ernst Seidel betrieb später die Drogerie in Schladern

Seidel, Zimmermann

Lebenslauf Ewald Z.

Drogisten-Fachschule

Tetrapack

Haus Dattenfeld und das Auto, das viele Windecker und Kunden transportiert hat, ist vor dem Laden geparkt

Dattenfeld Schnee
Berufliche Tätigkeiten
15.04.1951 – 04.04.1953 Germania-Drogerie Wilhelm Jansen in Siegen
15.04.1953 - 31.03.1954 Flora Drogerie Hugo Haag in Solingen
1954 - 1955 Alois Koppmann in Köln-Bayenthal
bis 1955 bei Alois Koppmann, danach zu Hause in Windeck und Dattenfeld
1956 wurde in Dattenfeld ein Geschäftshaus als Zweigstelle weitgehend in Eigenleistung gebaut. Architekt war Bau–Ingenieur Kurt Lautze aus Wilberhofen. Eigentlich sollte es eine Drogerie werden, aber da es schon eine gab (Kutting), machte man einen Gemischtwarenhandel daraus.
In Dattenfeld wurden Stoffe, Gardienen, Unterwäsche für Herren und Damen, Unterröcke, Drogerieartikel, Lebensmittel, Spirituosen usw. angeboten. Den Dattenfeldern war es immer lieber, wenn Ewald im Geschäft war. Er hatte aber auch Angestellte, die mithalfen. Mutter Maria hat dann den Laden in Windeck gemacht, später dann auch mit ihrer Schwiegertochter.
Das ging bis Anfang der 70er Jahre, dann wurde das Geschäft in Dattenfeld vermietet an Reinhold Landsberg Foto-Drogerie-Parfümerie.

Geschäft Dattenfeld im Kittel

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Laden Altwindeck 6 Fotos Ladeneinrichtung Windeck 1958

Lehrvertrag Anneliese
Das Kaufhaus Zimmermann hatte auch Angestellte und bildete aus, z. B. Anneliese Steckelbach, geb. Brück, von 1953–1956. Danach arbeitete sie dann noch weitere Jahre bei Zimmermanns (1956-1964). Gertud Kölschbach (Tochter von Traudchen Kölschbach, geb. Hall) und Annemie Schuhmacher (4 Jahre) haben auch geholfen.
In Windeck wurden Stoffe, Miederwaren, Kittel, Unterwäsche, Nähutensilien, Spirituosen, Alkohol, Tabak, Fleischwaren usw. verkauft.

Anneliese und Annemie 2003

Geschichte von Hasso, dem schlauen Schäferhund aus der Nachbarschaft
Ewald und Waltraud
Dann lernte Ewald 1958 seine Frau Waltraud Senger (*27.08.1933) aus Essen bei einer Karnevalssitzung in der Gastwirtschaft „Linde“ in Altwindeck kennen und lieben. Sie war zu Besuch bei ihrer Tante Gera (eine Schwester ihrer Mutter) und Franz Kölschbach in Dattenfeld.
Die Verlobung war am 18.10.1959. Sie hat ihren Schwiegervater, der am 12 Juli 1959 nach schwerer Krankheit verstarb, noch kennengelernt.

Ehepaar Senger

April 1950 - Mama Senger mit ihren Kindern
Waltraud wurde im Einzelhandel groß. Ihre Eltern Peter (Vater gelernter Konditor) und Maria * Füth (gelernt Lebensmittel/Feinkost) hatten ein Geschäft in Essen. Ihr Vater blieb im Krieg, als Waltraud 10 Jahre alt war. Waltraud machte ihre Ausbildung bei ihrer Mutter.

Der Laden Senger in Essen

Laden Senger, Essen
Da war was los. Der Junggeselle vom Dorf mit einer Frau aus der Stadt. Für meine Mutter war es sehr schwer auf dem Land. Erstmal die Sprache (Windecker Platt), dann ein ganz anderes Warenangebot und die sehr komplizierten Verwandtschaftsverhältnisse im Dorf, so dass sie des Öfteren von ihrer Schwiegermutter Warnungen und Ermahnungen erhielt. Sie hatte auch sehr viel Heimweh. Ihre Mutter Maria Senger zog dann Anfang der 60iger von Essen nach Dattenfeld - Übersetzig zur Unterstützung Sie verstarb 1975.

Waltraud Senger

Hochzeit 1960
v.li.: das Brautpaar, Ursula Cleven, Manfred Althoff
Nach den Flitterwochen (1960) wurde dann das alte Haus abgerissen und ein neues größeres Haus mit vergrößertem Ladenlokal gebaut.

Laden mit Jägerzaun

Neue Anschrift

Rabattmarken

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Fam. Ewald Zimmermann 1965
Sie bekamen vier Kinder: Hubert 1961, die Zwillinge Ewald und Jürgen 1962 und Marie-Luise 1964

Auto
Mit dem Auto fuhr man nach Köln (auch manchmal mit Kunden) zum Einkaufen, z.B. zur Firma Brüggelmann. Aber auch ins Sauerland um Stoffe zu kaufen oder auch zu verkaufen für so manche Aussteuer.

Maria Zimmermann

Mama im Kittel

Geschäft Windeck innen



Staubtücher
Für gute Kunden gab es immer ein kleines Präsent zu Weihnachten, mal einen Kalender oder ein Staubtuch.

Geschenkekorb
Es gab auch Ausstellungen, z.B. von der Firma Lindt vor Ostern und Weihnachten. Da konnte man dann probieren und vorbestellen. Der Großteil wurde später über die REWE-Zentrale bestellt.
Vertreter kamen regelmäßig vorbei für: Zigaretten (Herr Gansauer aus Opperzau), von der Firma Bahlsen, von der Firma Lindt, usw. Zeitschriften wurden wöchentlich/täglich geliefert. Dabei war es manchen Kunden peinlich, sich z.B. die „Bravo „oder „manch andere“ Zeitschrift zu kaufen. Es gab Kommissionsware, die regelmäßig ausgetauscht wurde.
Manche Kunden kamen täglich, andere bestellten per Telefon und ließen sich die Sachen ins Haus bringen. Da mussten die Kinder mit dem Bollerwagen oder Fahrrad ausliefern. Manche kamen nach Feierabend und wieder andere klingelten auch schon mal sonntags, weil sie was im Discounter vergessen hatten oder unerwartet Besuch bekamen. Wir Kinder mussten uns immer gut benehmen und durften keinen Streit mit anderen Kindern anfangen, das wäre ja schlecht fürs Geschäft gewesen. Und es durfte sich natürlich nicht im Laden aufgehalten werden, das störte die Kundschaft. Wir durften uns auch nicht eigenmächtig irgendetwas aus dem Laden holen.
Den Geschenkekorb gab es zu Jubiläen, Goldhochzeiten, hohen runden Geburtstagen und wurde im Auftrag eines Spenders vom Kaufhaus Zimmermann zusammengestellt. Später gab es auch Eisenkörbe zum Einkaufen zur Sicherheit vor Diebstahl und sogar zwei fahrbare Einkaufswagen zur Erleichterung Ende der 70er Jahre.

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Karneval (Anfang 70er)
Der Karnevalszug kam jedes Jahr vorbei, und es gab Apfelsinnen oder Mandarinen und Süßes.

Karneval Ladentüre

Karnevalgruppe

Einkaufskorb
In all den Jahren war ein Schäferhund im Haushalt der aufpasste.

Das Geschäft wurde mit dem Aufkommen der Supermärkte in der Umgebung ab Mitte der 1970er Jahre zunehmend unrentabel und wirtschaftlich nicht mehr tragbar. Von 1977 bis 1978 war Ewald Zimmermann noch im Einzelhandel der Firma Globus in Bonn-Beuel und ab 1978 im Globus in Hennef tätig.

Geschäftsaufgabe
Durch den plötzlichen Tod von Ewald Zimmermann im Alter von 50 Jahren waren die kommenden Jahre sehr schwer. 1988 wurde dann das Geschäft Zimmermann für immer geschlossen.
Unten wurde umgebaut, Sohn Hubert Zimmermann zog mit seiner Familie ein. Im 1. Stock lebt Waltraud Zimmermann. Die ehemaligen Angestellten blieben mit Waltraud Zimmermann lange verbunden

Haus 2009

80. Geburtstag von Waltraud Z. mit Anneliese Steckelbach u. Annemie, 2013

Waltraud Zimmermann 90. Geburtstag (2023)
(HJH)