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Nach über 80 Jahren kehrt Familienschatz zurück zu den Nachfahren

Text | Dorfgeschichten | 01.01.1941

Von Sylvia Schmidt, Windeck, 14. Mai 2026

Am vergangenen Sonntag begegnete mir auf dem Bauernmarkt in Leuscheid eine Bekannte aus Wilberhofen. Sie erzählte mir, sie habe vergeblich nach meinem Kontakt gesucht, denn sie verwahre seit dem Umzug ihrer Tochter aus dem Nachbarhaus eine Kiste mit Briefen auf, die dort beim Aufräumen des Speichers gefunden worden waren. Diese Kiste muss einem Vorbesitzer gehört haben, zur Vorgeschichte des Hauses konnte sie mir nichts sagen. Die Kiste hat sie jedenfalls gehütet, weil sie wusste, dass ich bei WiWa aktiv bin, und wir lokale Geschichte festhalten und für die Öffentlichkeit zugänglich machen. Die Kiste habe ich noch am gleichen Tag abgeholt.

Zuhause öffnete ich das Schatzkästlein

und fand zwei Stapel alter Briefe vor.

Es sind schätzungsweise 50 Briefe, die sich vorwiegend das Ehepaar Hilde und Albert Reifenrath im Zweiten Weltkrieg schrieben. Ich habe mir nur drei Briefe durchgelesen, denn schnell wurde deutlich, der Inhalt ist für WiWa, also für Windeck nicht sehr von Belang, für die Familie, sofern es Nachfahren gäbe, hingegen sehr.

Soviel entnahm ich den Briefen, Hilde kam aus Düsseldorf und wohnte mit ihren kleinen Kindern in den Kriegsjahren in Wilberhofen mehr oder weniger dort, sicherlich auch um Bombenangriffen zu entgehen. Ursprünglich war das Haus wohl Wochenendhaus für die Familie. Albert Reifenrath lebte zu der Zeit in Berlin.

Ich begab ich mich auf die Suche nach Nachfahren. In Düsseldorf gibt es nur drei Telefonbucheinträge, einer existiert nicht mehr, eine andere Mobilnummer habe ich angeschrieben, aber keine Antwort erhalten. Bei der letzten Nummer meldete sich nie jemand.

Ich habe in Windeck weiter geforscht und Puzzleteile in Erfahrung gebracht und kam soweit, dass das Haus in den 80er/Anfang 90er Jahren noch im Besitz der Familie gewesen sein muss. Niemand konnte mir aber etwas über deren Verbleib sagen.

Ich machte nochmal einen Versuch bei der Telefonnummer, wo bislang nicht abgehoben worden war. Am Apparat war die Tochter von Alfred und Hilde Reifenrath. Sie war komplett überwältigt, als ich ihr den Grund für meinen Anruf erklärte: den Fund ihres Familienschatzes. Sie erzählte mir, dass sie nach dem Tod ihrer Mutter viele Dinge fortgeschmissen haben, weil sie nicht wusste wohin damit, das habe sie später oft bereut. Mittlerweile habe ich etwas über die Familie erfahren und wie gerne sie sich an die Zeit in Wilberhofen erinnern. Frau Reifenrath selbst hat als Kind neun Jahre dauerhaft in dem Haus gewohnt.

Die Nachricht vom Fund hat wohl schon die Runde in der Familie gemacht. Diese Freude war für mir selbst die allergrößte Freude, die ich auch gleich an meine Vereinskolleg*innen weitergab, denn was wir machen, ist ja immer ein Gemeinschaftswerk, bei dem jedes „Rädchen“ wichtig ist. 

Frau Reifenraths Nichte schickte mir heute Bilder vom Haus mit Anmerkungen

Haus Bitze von hinten zur Bahn hin.

Das Haus von der Seite. Die Tür ging zur Küche. Der Baum war ein Kirschbaum. Daher hieß die Wiese Küchen- oder Kirschbaumwiese. Darunter Johannisbeersträucher. Der Garten hat eine Größe von rund 3000 m², so dass die Wiesen unterschiedliche Namen hatten. Diese beiden Bilder haben kein Datum - ich vermute aber die späteren Siebzigerjahre.

Das Haus hat neue Fenster bekommen und wurde mit Wein begrünt, das Foto ist aus dem Jahr 1985. Ich selber habe in den siebziger bis Mitte achtziger Jahren die meisten Ferien dort an der Sieg verbracht. Damals hatte das Haus noch keine Hausnummer. Und der Bäcker Koch in Wilberhofen hat noch Lebensmittel verkauft und Riemchenapfel gebacken.

Anmerkung: der wird immer noch gebacken.

Das letzte Bild ist aus dem Jahr 1971 man sieht noch die Stromleitung und den Blick weit über die Bahn und die Sieg nach Dattenfeld (Anmerkung: Übersetzig). Ganz links erahnt man den Dattenfelder Dom.

Und nun das allerletzte Foto.

Das Paket ist für Frau Reifenrath gepackt und wird morgen früh nach über 80 Jahren dorthin zurückkehren, wo es hingehört: zu den Nachfahren.

Gute Reise liebes Paket, komme wohlbehalten an, Du wirst sehnlich erwartet und große Freude auslösen.

 

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Fortsetzung: „Nach über 80 Jahren kehrt Familienschatz zurück zu den Nachfahren“ - vom 14. Mai 2026

Von Sylvia Schmidt

Nachdem der Briefschatz bei seiner Adressatin Regina Reifenrath in Düsseldorf angekommen war, ergab sich ein weiterer Austausch. Hier einige Auszüge sowie Fotos, die nachträglich zur Geschichte des Hauses kamen.

(Anmerkung der Redaktion: alles Material der damaligen Besitzer schickte uns Adelheid Oberhauser aus Wilberhofen, deren Tochter das Haus damals von der Familie Reifenrath gekauft hatte und es mittlerweile wieder verkauft hat.)


Guten Tag Frau Schmidt,

vielen Dank für Ihren Anruf, ich freue mich sehr dass Sie den Kontakt aufgenommen haben. Wie schön, dass auch Sie solche Zeitdokumente schätzen und schützen. Ich freue mich sehr, da ich ja als Kind in Wilberhofen bis zum 9. Lebensjahr aufgewachsen bin und später die ersten sechs Jahre mit meiner Tochter Pia noch viele Wochenende dort verbracht habe. Mein Herz hing sehr an dem Haus. Vielen vielen Dank, die Briefe sind ein wahrer Schatz.
Gerne melde ich wieder bei Ihnen.

Freundliche Grüße,

Regina Reifenrath

Wenig später schicke Regina Reifenrath Fotos aus dem Familienalbum mit Bildunterschriften

 

Mein Großvater Josef Reifenrath, dem damals das Haus Bitze gehörte

(noch eine Anmerkung: im Telefonat erzählte Frau Reifenrath, ihr Großvater hätte erzählt, dass Haus sei mit Steinen der ehemaligen Pulvermühle im Elisenthal gebaut worden.) 

 

Beide Großeltern

 

Mein Vater Albert Reifenrath um 1975

 

Regina unten, oben die Schwestern

 

Meine Familie zur Kommunion meiner Schwestern1949, ich, Regina, in der Mitte.

Im ehemaligen Haus der Reifenraths hatte die Nachkäuferin noch einige Fundstücke verwahrt, die sie WiWa zur Weitergabe an die einstigen Eigentümer zukommen ließ. Ein altes Sparbuch von Albert Reifenrath gehörte dazu und dann tauchten noch einige alte Fotos auf. Das alles schickten wir an Frau Reifenrath. Die schrieb zurück:

 

Liebe Frau Schmidt,

es ist ja erstaunlich nach wieviel Jahren diese " Schätze" auftauchen. Das lässt vermuten, dass die ursprünglichen Käufer, bzw. meine Mutter, beim Verkauf gar nicht wusste was da noch schlummert. Ich persönlich finde es wunderbar, dass Dank Ihrer Hilfe der Weg wieder zu mir zurückfindet.

Wir hatten bei sehr heißen Temperaturen ein fröhliches Beisammensein der Familie Anfang August. Aus gesundheitlichen Gründen war meine ältere Schwester nicht dabei und kennt somit die Briefsammlung auch nicht.

Mit lieben Grüßen, Regina Reifenrath

 

Liebe Frau Schmidt,

das alte Sparbuch meines Vaters ist bei mir angekommen. Vielen Dank, dass Sie sich so bemüht haben mir diese aufgefunden Sachen zukommen zu lassen. Mir bedeutet es sehr viel, da es so viele Erinnerungen wach werden lässt.

Ich werde berichten, was die Familienmitglieder sagen, wenn wir uns im August treffen.

Herzliche Grüße

Regina Reifenrath

 

Dann tauchten diese Bilder noch auf, die wir zurück an die Familie schickten:

Guten Tag Frau Schmidt,

seit gestern habe ich nun die Fotos, so habe ich Haus Bitze als kleines Kind nicht erlebt. Ich erinnere mich an eine hohe Tannenhecke um das Grundstück, nur der Blick nach Dattenfeld war frei, weil unterhalb die Bahnstrecke verlief.

Die Bildunterschriften hat uns Regina Reifenrath verfasst

Beim Blick von der Wiese auf das Haus war zu Kinderzeit nur das Hausdach sichtbar, links ist das Forsthaus, wo auch zwei Kinder mit den Eltern lebten, meine älteste Schwester war mit ihnen befreundet.

 

 

Blick von Wilberhofen nach Übersetzig und Dattenfeld

 

Anderer Blickwinkel auf Übersetzig und Dattenfeld

 

Auf dem Foto ist mein Vater wohl aus der Zeit vor dem Krieg. Die Gartenlaube wurde von uns für Gartentisch und Rasenmäher genutzt oder auch Spielhäuschen bei Regen.

Fotos: Reifenrath

 

 

 

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