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Aus dem Leben von Kurt Müller aus Schladern

Text | Personen | 25.07.2024

Von Kurt Müller und Reinhard Wagner

Aus dem Leben von Kurt Müller aus Schladern

v. li.: Else, Christa, Kurt, Eva, Karin und Klaus Müller 

Vor seinem Tod 2018 interviewten Wolfgang Bredenbrock und Reinhard Wagner für 
unseren Verein Windeck im Wandel Kurt Müller aus Schladern. Sein Sohn Klaus 
ebenfalls anwesend, machte uns auf das Buch aufmerksam, in denen KuMü, wie er 
hier überall gerufen wurde, seine unveröffentlichten Lebenserinnerungen 
niedergeschrieben hat. Mit seiner Erlaubnis zitiere ich an der einen oder anderen 
Stelle aus seinem Buch, denn auch seine Sprache, oft verbunden mit dem ihm 
eigenen Humor, charakterisiert den Menschen Kurt Müller.

„Ich will nach Schladern!“

Ende des Zweiten Weltkrieges stand für Kurt fest: „Ich will nach Schladern!“ Als Kind 
schon war Kurt Müller zu Kurzferien öfter bei nahen Verwandten seines Vaters 
gewesen, Ferienquartier war bei Tante Anna, der Inhaberin der „Gaststätte Müller“ 
gegenüber vom Bahnhof. Doch bis hierher war der Weg weit gewesen.

Der Anfang

Am 7. Januar 1929 war Kurt im St. Vinzenz-Hospital in Köln-Nippes geboren worden 
und eine knappe Woche später in der nahegelegenen Lutherkirche getauft. 
Gegenüber der Lutherkirche, in der Merheimer Straße 111, hatten die Eltern ein 
Lebensmittelgeschäft betrieben, spezialisiert auf Milch, Butter, Eier und Käse. Beide 
Großväter waren bei der Deutschen Reichsbahn. 

Die Familie

Oma Henriette („Jettchen“) und Opa Heinrich waren die Eltern von KuMüs Vater, die 
ihren Ursprung in der heutigen Gemeinde Windeck hatten. Als einziges Enkelkind der 
Großeltern Müller wurde Kurt von diesen nach Strich und Faden verwöhnt. Weitere 
Verwöhn- und Streicheleinheiten kamen von den beiden Schwestern von KuMüs 
Vater, Tante Martha und Tante Eugenie.

Die Eltern

Vater Heinrich Müller und Mutter Elfriede, geborene Blank, heirateten mit 23 Jahren 
und waren 24 Jahre alt, als klein Kurt auf die Welt kam. Die Mutter war gelernte 
Stenotypistin, der Vater gelernter Kaufmann. Kurt blieb das einzige Kind. 
Nach dem Krieg war KuMüs Vater Mitbegründer der Windecker FDP. Im Amts- und 
Gemeinderat von Dattenfeld, der auch für Schladern zuständig war, setzte er sich für 
viele Menschen mit deren Problemen ein. In Schladern zeigten sich damals mit Erich 
Mende und Willi Weyer auch bundes- und landespolitische Größen. Außerdem 
schrieb Vater Heinrich im lokalen Teil der Oberbergischen Volkszeitung Berichte über 
Ereignisse an der „oberen Sieg“. 

KuMü schrieb: „Diese Berichte waren gezeichnet mit dem Kürzel ´heimü´. Daraus ist 
dann später mein Spitznamen ´KuMü ´ entstanden. Er war, ist und bleibt wohl mein 
Markenzeichen weit über die Grenzen meines engeren Wohnbereiches hinaus.“

Sein Sohn Klaus ist in Schladern übrigens eher unter dem Kürzel „KlauMü“ bekannt.
Vater Heinrich Müller verstarb 1954 im Alter von erst 49 Jahren. Mutter Elfriede 
kehrte in ihren erlernten Beruf als Bürofrau zurück und hatte bis zu ihrem Ruhestand 
eine gute Stellung bei Elmores. In zweiter Ehe heiratete sie Karl Hoffmann. Elfriede 
verstarb 1992. 

Schulzeit und Berufseinstieg

1935 wurde Kurt in die evangelische Volksschule Steinbergerstraße in Nippes 
eingeschult, gute Zeugnisse führten 1939 zur Umschulung auf eine Mittelschule. 
Der Krieg war erst wenige Tage alt, als ein deutsches U-Boot in der großen Bucht 
Scapa Flow bei den Orkney-Inseln das englische Schlachtschiff „Royal Oak“, 
welches dort als ein Teil der britischen Marine vor Anker lag, unter Führung von 
Kapitänleutnant Günther Prien versenkte. Der jüngste Bruder von Kurts Mutter, Hans 
Blank, war als Funkmaat auf diesem U-Boot und hatte einen erheblichen Anteil am 
Gelingen der Operation. Auf Vermittlung von Kurt war Onkel Hans zu einem Vortrag 
in der Schule. Die Begeisterung bei Kurt und seinen Mitschülern war groß.

Im Dezember 1939 wurde Kurt ins Jungvolk, einer Unterorganisation der 
Hitlerjugend, aufgenommen. Samstag- und manchmal auch mittwochnachmittags 
marschierten er und andere „Pimpfe“ in den Kölner Grüngürtel, vergnügten sich dort 
mit Spielen und tagten in dem von der Stadt zur Verfügung gestellten Fort X.
Kurts Schulzeit ging 1943 nach acht Jahren zu Ende. Er bekam eine Anstellung als 
technischer Junghelfer bei der Reichsbahn in Köln. Am 1.4.43 war Dienstantritt bei 
der Bahnmeisterei in Köln-Gereon. 

Kriegsjahre

1941 und 1942 erlebte Köln die ersten schrecklichen Großangriffe britischer Bomber. 
Wie viele „Pimpfe“ musste auch Kurt Schutt und Trümmer beseitigen, bei hohen 
Minustemperaturen Gleise und Kreuzungen der Straßenbahnen von Eis freihalten, 
sogar Tote bergen. Bei einem Großangriff am 8.7.43 wurde Kurts Haus in der Krefelder Straße durch 
Spreng- und Brandbomben zerstört. 

KuMü schrieb: „Mit der zerstörten Wohnung hat meine Mutter sich abgefunden, den 
Verlust ihres Eingemachten konnte sie jedoch nicht verwinden.“

Glücklicherweise war die Familie nur wenige Tage zuvor zu Tante Eugenie, der 
älteren Schwester des Vaters, und Onkel Heinz nach Köln-Thielenbruch umgezogen. 
Aus dem „vorübergehenden“ Umzug wurden zwei Jahre. 

KuMü schrieb: „Unser neues Zuhause in Thielenbruch war in jeder Beziehung ein 
Paradies. Auf einem 12.000 m² großen Grundstück hatte Onkel Heinz kurz vor 
Beginn des Krieges eine Villa gekauft. Die Gesamtwohnfläche schätze ich auf 400 
m². Meine Eltern hatten ein großes Schlafzimmer mit Vorraum im Dachgeschoss und 
ich hatte nach vorne raus ein Zimmer mit kleinem Balkon.“

Als 15-jähriger wurde Kurt am 1. September 1944 zum Sonder-Kriegseinsatz der 
Hitler-Jugend für den Baueinsatz-Westwall notdienstverpflichtet. Spaten, Axt und 
Schaufeln waren mitzubringen. In Eisenbahnwaggons ging es vom Kölner 
Westbahnhof in Richtung Belgien in das Grenzdorf Rötgen. Aufgabe war der Bau 
von Panzergräben, die allerdings nicht im Geringsten den heranrollenden 
amerikanischen Sherman-Panzern Widerstand bieten konnten. Die Front rückte 
immer näher heran.

Der Rückzug begann. Kurt hatte es inzwischen zum „Fähnleinführer“ gebracht. Auf 
ihrem Weg zum Rhein zogen er und seine Kameraden über Nideggen, Kreuzau bei 
Düren, Kessenich und Rheinbach. Auch weiterhin wurde das Buddeln von 
Schützenlöchern befohlen, aber mehr noch war man damit beschäftigt, sich zu 
versorgen: tägliche Nahrung, Bekleidung, Decken. Bei Bad Godesberg gelangten sie 
mit der letzten Fähre über den Rhein, zogen ihren Leiterwagen mit Gerät und 
Lebensmitteln über eine Straße am Petersberg vorbei nach Ittenbach. Ein 
hochdekorierter Major, den sie unterwegs trafen, hatte ein Einsehen und stellte ihnen 
für ihren weiteren Weg bis Uckerath zwei LKWs zur Verfügung, von dort ging es 
wieder zu Fuß weiter. 

In Schladern angekommen

KuMü schrieb: „Wenn mir damals jemand gesagt hätte, dass Schladern für mich und 
meine Familie einmal Heimat und die „Gaststätte Müller“ meine Stammkneipe 
werden würde, dem hätte ich Jeckheit unterstellt“. 

Froh, im Frühjahr 1945 in Schladern angekommen zu sein, wurde Kurts „Fähnlein“ 
nach seiner Ankunft aus dem Krieg in die evangelische Schule zur Einquartierung 
verwiesen, Kurt selbst in den Gasthof Müller. 

Wieder bekamen sie den Auftrag, Schützenlöcher zu graben, diesmal entlang des 
Waldes, dem heutigen „Sprietchen“. Zudem mussten Lebensmittel organisiert 
werden. Dabei halfen Handwagen aus der ansässigen Handwagenfabrik Langen. 
Schon nach kurzer Zeit wechselte Kurt sein Quartier und zog mit zwei Kameraden 
ins Haus von Grete Weininger (in der Nachtigallengasse 5).

Da die Front (und mit ihr die Amerikaner) immer näher kam, erhielten sie den Befehl 
weiterzuziehen. Als sie ihre Verpflegung für den weiteren Weg empfingen, wurde 
gleichzeitig in Schladern die Eisenbahnbrücke und die Maueler Fußgängerbrücke 
völlig sinnlos von Fanatikern gesprengt. Vier Tage lang war ein Tanzsaal in 
Halscheid ihr Quartier, dann zogen sie weiter durch das Oberbergische Land bis zur 
Agger-Talsperre. Hier traf Kurt auf seinen Vater, dessen Luftnachrichteneinheit 
hierher abkommandiert war, um die Staumauer der Talsperre zu sichern. Heinrich 
Müller sicherte die Staumauer sehr persönlich und mit der Pistole in der Hand, aber 
nicht gegen den Feind, sondern gegenüber fanatischen Parteibonzen, die die 
Sprengkammer der Staumauer mit eindeutiger Absicht betreten wollten.
Bei Altena in Westfalen endete Kurts achtmonatiges Westwall-Unternehmen. Der 
Ruhrkessel wurde immer enger. 

KuMü schrieb: „Die Kettengeräusche von Sherman-Panzern wiesen auch uns darauf 
hin, dass es so weit war. An einer Straßenkreuzung wurden alle Handfeuerwaffen 
und auch wir eingesammelt.“

Die Gefangenschaft bei den Amerikanern war für Kurt nur von kurzer Dauer. Nur eine 
Nacht verbrachten die 15 „Eingesammelten“ auf einer großen Weide, die zur Straße 
hin von einem Bauernhof mit Mühle begrenzt war. Wegen Bauchschmerzen meldete 
sich Kurt bei einem Wachposten, ein netter schwarzer GI brachte ihn zur 
Sanitätsstube und schenkte ihm dazu noch Kaugummi und Schokolade. Nach der 
ärztlichen Versorgung entwischte Kurt über das Mühlrad auf die Straße und lief dort 
dem GI wieder in die Arme. Der grinste nur und rief: „Go!“. 

Nach einigen Kilometern über die Felder, übernachtete er in einer Feldscheune, vor 
deren Tor am nächsten Morgen die Bäuerin stand. Sie stattete ihn mit einer alten 
Jacke, einem Butterbrot und einer Landkarte aus, damit er wüsste, wo er war und wo 
er hinmusste. Nach einem drei Tage dauernden Fußmarsch erreichte er nach 65 
Kilometern über Waldbröl und Rommen letztendlich Mittel – und traf dort am 
nächsten Tag seinen Vater wieder, der mit Pferd und Wagen aus seiner 
Gefangenschaft zurückkam. Vorübergehend wohnte Kurt dort mit seinen Eltern im 
Haus einer Verwandten.

Erste Nachkriegszeit und Berufsausbildung 

Von Mitte 1945 bis Mai 1947 nahm der Landwirt Robert Barth Kurt als 
landwirtschaftlichen Helfer auf seinem Hof in Helzen und damit auch in seine Familie 
auf. Dennoch war es Kurts Ziel, einen Studienplatz auf der Staatsbauschule in Köln 
zu bekommen. Einen Studienplatz bekam er dort nicht, aber einen gut gemeinten 
Rat: „Wir empfehlen Ihnen, Ihre praxisbezogene Ausbildung bei der Reichsbahn 
durch eine Maurer- oder Zimmererlehre zu vervollständigen.“ 
Im Bauunternehmen Eduard Überholz in Rosbach begann Kurt daraufhin eine 
Maurerlehre, nannte sich Umschüler mit auf zwei Jahre verkürzter Lehrzeit. Vom 
Bauernhof der Barths zog er in die Wohnung seiner Eltern, die mittlerweile in 
Schladern lebten. Im selben Jahr (1947) trat Kurt in den Gesangsverein Germania 
ein, wo sein späterer Schwiegervater Karl Kraemer zu dieser Zeit 1. Vorsitzender 
war.

Am 8. Juni 1949 bestand Kurt seine Gesellenprüfung, den Praxisteil mit „gut“, den 
theoretischen Teil mit „fast gut“. Den praktischen Teil erledigte er an der 
Bruchsteingiebelwand des damaligen Sandmann- und späteren Hofheinz-Hauses 
(heute Höffer/Käsberg), dem einzigen Haus in Schladern, das durch Bomben zerstört 
worden war.

Vom Zeitpunkt seiner Gesellenprüfung an bis zu seiner Meisterprüfung war Kurt in 
mehreren Betrieben tätig. Einer dieser Betriebe war das Bauunternehmen Bauwens 
in Köln. Drei Brüder besaßen dieses private Unternehmen. Einer von ihnen war der 
damals sehr bekannte Fußballschiedsrichter Peco Bauwens, ein zweiter dessen 
Bruder Camillo, während des Krieges Oberst bei der Wehrmacht. 

KuMü schrieb: „Camillo Bauwens traf ich auf der Neubaustelle der Sportschule 
Hennef. Er sprach jeden an. Seine erste Frage lautete: ´Soldat gewesen?´ Mich hat 
er auch gefragt, und ich habe – auf Anraten der Kollegen – mit ´ja´ geantwortet. 
Daraufhin bot er mir eine Zigarette an und sagte: ´Weiter so!´ “

Zur Ablegung der Meisterprüfung musste Kurt fünf Jahre lang Geselle sein. Um diese 
Zeitspanne zu nutzen, begann er 1951 mit einem drei Jahre dauernden Meisterkurs. 
Seine vormaligen Studienpläne hatte er mittlerweile aufgegeben. Der Meisterkursus 
fand samstags in der Gewerbeschule Siegburg statt. 1954 meldete er sich bei der 
Handwerkskammer Köln als Prüfling an. Mit seiner Planungsarbeit (komplette 
Planung und statische Berechnung eines Hauses) und den Ergebnissen in den 
anderen Prüfungsfächern erreichte Kurt das zweitbeste Ergebnis seines 
Meisterlehrgangs, Grund genug für seinen Vater, am Tag der Ergebnisbekanntgabe 
abends bei der Chorprobe des gemeinsamen Männerchores alle frohen Sänger 
freizuhalten.

Else

Inzwischen hatte Kurt 1952 Else Kraemer geheiratet. Else war elf Jahre älter als er 
und die Tochter von Karl Kraemer, der in der Siegstraße (heute Elmoresstraße) ein 
Möbellager besaß. Dieses Möbellager sollte Bedeutung erlangen. Willi Welter 
organisierte einen anspruchsvollen Familienabend der „Germania“. Eine Gruppe von 
Männern und Frauen aus Männer- und neu gegründetem Frauenchor sollte Tänze in 
Kostümen der Jahrhundertwende vorführen. Geprobt wurde im Möbellager. Als 
Tanzpartnerin wurde Kurt, der zuerst dem Tanzen nicht viel abgewinnen konnte, Else 
Kraemer zugewiesen, die ihm in Separatstunden alle Tänze vermitteln sollte.
 
KuMü schrieb: „Else beherrschte die Tänze. Sie war elf Jahre älter als ich und hatte 
schon Tanzunterricht gehabt, als ich in die Schule gekommen war. Der 
Familienabend war ein Erfolg und die Nacht der Beginn einer großen Liebe.“


Else und Kurt Müller


Nach der Trauung in der Evangelischen Kirche in Schladern: v. li: Karl Kraemer, 
(Vater von Else), Elisabeth Blank /Mutter von Elfriede, Elfriede Müller mit Mann 
Heinrich (Eltern von Kurt)
Rechts hinter Elisabeth Blank: Luise Kraemer, daneben-Paul Schuhen mit Brille, der 
spätere Schwiegervater von Karl Wienand. 


Nach der Heirat bezogen beide eine gemeinsame, aber auch beengte Wohnung im 
Haus der Schwiegereltern in der Elmoresstraße. Ein paar Monate später kam Klaus 
auf die Welt, weitere zwei Jahre darauf Tochter Karin. 


Das erste Kind, Klaus, reitet auf Papas Schultern. Die stolzen Großväter, Heinrich 
Müller (links) und Karl Krämer (rechts) passen auf. 
Dort im Haus, wo ehemals das Ladenlokal des Geschäfts Kraemer war, hatten 
mittlerweile die Gebrüder Baldus, Evakuierte aus Duisburg, Einzug gehalten und 
betrieben einen Damen- und Herrenfriseursalon.


Minna Kraemer im Laden in der Siegstrasse, etwa in den 40er Jahren


Das Wohn- und Geschäftshaus Kraemer in der Siegstraße (Elmoresstraße) in den 
1920er Jahren

Berufswechsel

Während eines Besuchs bei Elses Verwandten in Düsseldorf lernte Kurt einen ihn 
beeindruckenden Mann kennen. Werner Sieg hatte als Vertriebener sein Saatgut auf 
einer pommerschen Insel aufgeben müssen und war nun in der Geschäftsführung 
der Gesellschaft zur Förderung der inneren Kolonisation (GFK) tätig. „Willst du nicht 
bei uns anfangen?“, fragte ihn dieser und unterbreitete ihm das Angebot, in einer als 
Ableger der GFK geplanten Baugesellschaft als selbstständiger Bauleiter 
mitzuarbeiten. Deutsche Gesellschaft für Landentwicklung“ hieß die Gesellschaft, bei der Kurt nun 
nach reiflicher Überlegung einen neuen, seinem erlernten Beruf entsprechenden 
Arbeitsplatz gefunden hatte. Er arbeitete als Bauleiter und betreute Baumaßnahmen 
von der Planung bis zur Abrechnung. Die Grundlage seiner Arbeit, wie das seines 
Arbeitgebers überhaupt, war das politische Ziel, landwirtschaftliche Betriebe im 
Rahmen von Flurbereinigungsverfahren aus den Dorfzentren auszusiedeln, 
sogenannte Aussiedlerhöfe. Jahrelang war Kurt auf Baustellen quer durch 
Deutschland, hauptsächlich in Süddeutschland, unterwegs. 

Großfamilie und neues Haus

Dann war Else zum dritten Mal „guter Hoffnung“. Nicht diese Tatsache bereitete 
Sorgen, sondern die zu erwartende noch größere Enge in der Wohnung im Kraemer-
Haus an der Elmoresstraße. Die „gute Hoffnung“ hatte es in sich. Im Dezember 1958 
kamen unerwartete Zwillinge zur Welt, Christa und Eva. Die Frage nach einer 
schnellen Veränderung bei den Wohnverhältnissen stellte sich drängender denn je.
Ab 1960 hatte Kurt sein Büro wieder in der Geschäftsstelle Köln. Ein neues Gefühl, 
nach Jahren wieder jeden Abend zu Hause zu sein. Seine Baustellen lagen zum Teil 
„vor der Haustür“. 1960 war auch ein Wahljahr. Die Kommunalparlamente wurden 
neu gewählt, und es ging nun um die Kandidatenaufstellung. Schladern gehörte 
damals noch zur Gemeinde Dattenfeld. Der Ortsvereinsvorsitzende der SPD, 
Heinrich Röhrig aus Dreisel, hatte sich auf den Schladerner Karl Wienand festgelegt, 
zu dieser Zeit amtierender Gemeindedirektor der Gemeinde Rosbach und 
Bundestagsabgeordneter. Doch die Parteibasis wollte einen Kandidaten, der durch 
seine Aktivitäten in den Schladerner Vereinen sein „Ohr am Volk“ hatte und sich den 
Problemen im Ort und in der Gemeinde mit ganzer Kraft stellen konnte. Kurt wurde 
als Kandidat aufgestellt und bekam bei der Wahl sechs Stimmen mehr als seine 
Gegenkandidaten der anderen Parteien zusammen.

KuMü schrieb: „Unsere häuslichen Probleme wurden durch die Enge des 
verfügbaren Wohnraums immer größer. Else hatte große Schwierigkeiten, den 
Haushalt in Ordnung zu halten, und dabei den Kindern einen Mindestfreiraum zu 
schaffen.“ 

Durch seinen Bekannten Herbert Röhrig, Betriebsleiter bei Elmores, (Vater von 
Journalist Harald Röhrig) der einen Neubau am Rande eines Waldstücks „Auf der 
Teichhardt“ begonnen hatte, wurde Kurt darauf hingewiesen, dass dort noch freie 
Grundstücke angeboten würden. Mit der Eigentümerin des Grundstücks, Sophia 
Poppel aus der Dynastie des Bauunternehmens Poppel, einigte sich Kurt auf eine 
monatliche Ratenzahlung. Im Februar 1963 wurde der Bauantrag gestellt, im Juli 
1964 feierte man Richtfest und im Juni 1965 wurde das neue Haus bezogen. 
Schwiegervater Karl bekam ein schönes Zimmer mit Ausgang zum Garten.

„Vereinsmeier“ und Politiker

Familie, Beruf, Eigenheimbau, Kommunalpolitik – doch das war für Kurt anscheinend 
noch nicht genug an Beanspruchung. Von 1961 bis 1967 war er Vorsitzender bzw. 
Vorstandsmitglied beim TTC Grün-Weiß, ab 1964 Vorsitzender des Gesangvereins. 
Kumü schrieb: „„Partei und Gemeinderat dazu genommen, war ich ein großer 
Vereinsmeier und ein Familienvater auf Sparflamme. Nach meinen damaligen 
Vorstellungen gehörten Vereins-, Partei- und kommunalpolitische Arbeiten 
zusammen. Es war der Spaß am Diskutieren, das Bedürfnis, für und in der 
Öffentlichkeit zu wirken, aber auch eine gewisse Portion Eitelkeit.“ 

1964 war wieder Wahljahr in NRW. Es war die Wahlperiode der kommunalen 
Neuordnung. Es ging um die Zusammenlegung von Städten, Gemeinden und 
Kreisen zu neuen Verwaltungsstrukturen. Mit vielen Widerständen war zu rechnen. 
Kurt kandidierte wieder für den Gemeinderat und erhoffte sich auch einen Sitz im 
neuen Kreistag. Beides gelang.

Von nun an erhöhte sich die Anzahl seiner diversen Ehrenämter - deren Auflistung 
an dieser Stelle zu weit führen würde - immens, genauso wie eine Auflistung seiner 
sich steigernden Anzahl von Bekanntschaften, die sich schon damals und erst recht 
in den folgenden Jahren bis in die hohe landes- und bundespolitische Prominenz 
erstreckte, und für Kurt im Laufe der Jahre über Parteigrenzen hinweg in manchen 
Fällen nützlich war.

1969 war das Jahr der kommunalen Neuordnung. In der Übergangszeit vom In-Kraft-
Treten des Gesetzes zur kommunalen Neugliederung am 1. Juli und den 
Kommunalwahlen am 9. November wurden die bestehenden Kommunalparlamente 
aufgelöst und durch Beratungsgremien ersetzt. Kurt war von Oberkreisdirektor Kieras 
als kommissarischer Bürgermeister vorgesehen, doch dazu kam es nicht. Karl 
Wienand hatte auf Kieras eingewirkt, seinen Bruder Adolf mit dieser Aufgabe zu 
betrauen und damit auch ein Präjudiz für die kommende Windecker 
Bürgermeisterwahl zu schaffen. Auch wenn viele Genossen ihn ermunterten, trotz 
„Wienands“ für das Amt zu kandidieren, erschien dies für Kurt nicht ratsam und er 
verzichtete. Grund: Ende März kam ein Anruf von Karl Wienand und dieser eröffnete 
das Gespräch mit: „Kurt, ich brauche dich in Bonn!“ 

KuMü schrieb: „Er machte mir das Angebot, für ihn als persönlicher Referent zu 
arbeiten. Meine Überraschung war groß. Ich war hin und her gerissen und bat um 
Bedenkzeit, die er auf höchstens zwei Tage begrenzte. Mein Einwand, dass ich bei 
meiner Siedlungsgesellschaft eine halbjährige vertragliche Kündigungsfrist habe, 
zerstreute er mit dem Hinweis, dass würde er über unseren Landwirtschaftsminister 
Diether Denecke regeln.“

Zusammen mit Else wog er das Für und Wider ab, und entschied sich für seinen 
neuen Beruf als Referent beim Bundestagsabgeordneten und parlamentarischen 
Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, Karl Wienand, im Bonner 
Bundeshaus.

Da sie in unmittelbarer Nachbarschaft wohnten, fuhren Karl Wienand und Kurt nun 
täglich gemeinsam ins Bonner Büro.

KuMü schrieb: „In unserem Büro ging´s rein und raus. Karl hatte d i e dominierende 
Stellung in der Fraktion. Er saß in den wichtigsten Gremien und war der 
Verbindungsmann zum Fraktionsvorsitzenden Herbert Wehner. Ehe sie zu „Onkel 
Herbert“ gingen, trugen viele Abgeordnete, auch Mitglieder des Kabinetts, Karl ihre 
Probleme vor. Karl fuhr mit Herbert Wehner zu fast allen Kabinettsitzungen. 
Manchmal verweilte er bis in die Nacht hinein mit anderen aus dem Kabinett, der 
Fraktion oder der FDP in Willi Brandts Haus auf dem Venusberg. Wir, die Referenten 
und Fahrer, trieben uns im Garten oder in der Diele rum oder versuchten, dem 
Kanzlerhund – einem Basset – Kunststückchen beizubringen. Ich habe einige Male, 
wenn es besonders spät wurde, gemeinsam mit Ruth Brandt Schnittchen zubereitet 
und Kaffee gekocht.“

Karl Wienand war der Vermittler zwischen Herbert Wehner, Willy Brandt und Helmut 
Schmidt.

KuMü schrieb: „Sie hatten ein gespanntes Verhältnis. Herbert Wehner, der den 
Karren zog, Willy Brandt, der Schöngeist und Visionär, und Helmut Schmidt, der 
Ökonom und intellektuelle Politiker. Sie verhielten sich untereinander manchmal so, 
als wären sie drei konkurrierende Jungfrauen. Karl musste immer wieder Wege 
suchen, damit sie miteinander sprachen.“

1969 verzichtete Kurt auf eine erneute Kandidatur für den Kreistag, kandidierte aber 
für die Wahl zum Gemeinderat. Unvorhergesehenes geschah: Sein Gegenkandidat 
von der CDU, Rolf Höffer aus Schladern, setzte sich gegen ihn durch und gewann. 
Kurt war also nicht mehr direkt gewählt. Die Enttäuschung saß tief, und er trat infolge 
auch nicht mehr zur Wiederwahl zum 1. Vorsitzenden des Gesangsvereins an. Und 
auf einen guten Solisten mit einer hervorragenden Bassbariton-Stimme musste der 
Männerchor von nun an auch verzichten. Dies fiel ihm nicht leicht, denn heute noch 
schwärmt er von einem tollen Vereinsleben, dem großen Germania-Elmores-
Sängerfest von 1961 im Festzelt auf dem „Alten Tennisplatz“ mit Festwirt 
Bredenbrock und dem Konzertauftritt des schwarzen US-Amerikaners Kenneth 
Spencer in Dattenfeld. Entsetzt war Kurt allerdings, dass man Spencers weißen 
Mercedes mit einem Nagel zerkratzte, während dieser im „Bergischen Hof“ 
übernachtete.

Jahrelang tummelte Kurt sich nun im Zentrum der bundesdeutschen Politik, erlebte 
hautnah Momente und politische Persönlichkeiten, die die Geschichte der BRD 
nachdrücklich beeinflussten, aber auch ganz private Situationen, vornehmlich mit 
Herbert Wehner.

Einmal bat Wehner Kurt darum, sein Haus auf dem Venusberg als Architekt und 
Bauleiter um einen Anbau zu erweitern. „Oberbauleiter“ war aber Greta, Wehners 
vormalige Stieftochter und jetzige Ehefrau. Die beteiligten Handwerksbetriebe 
„rekrutierte“ Kurt in Schladern (Malerbetrieb Kaesberg, Elektro Schröder, 
Bauunternehmer Kramer u.a.). Beim ersten Planungsgespräch sagte Wehner 
plötzlich in seiner typisch unwirschen Art: „Das Ding da hinten kannst du mit nach 
Hause nehmen. Ich will es hier nicht mehr sehen.“ Das „Ding“ war ein zwischen den 
Sträuchern eingebuddelter 300 Watt starker Scheinwerfer, der zur Alarmanlage 
gehörte. 

Kurt und Karl Wienand besuchten Wehner auch in seinem Haus auf der 
schwedischen Insel Oeland und wohnten dort im angebauten Häuschen von Greta. 
Einmal waren die Beiden nicht die einzigen Gäste. König Karl Gustaf von Schweden 
kam zu Besuch und alle versammelten sich zu einem Quätschchen im 
„Familienzimmer“ im Keller.

Das Leben zu Hause verändert sich

Mitte Dezember 1970 klagte Else über Kopfschmerzen und Schwindel. Es folgten 
dramatische Tage. Diverse Krankenhaus- bzw. Klinikaufenthalte für Else, berufliche 
Termine und Besuche am Krankenbett für Kurt. Am 7.1.71 starb Else an den Folgen 
zweier Gehirntumore in der Uni-Klinik in Köln.

KuMü schrieb: „Wir, die Kinder und ich, standen vor einem großen, tiefen Loch. Es 
kam jetzt darauf an, die Familie zusammenzuhalten.“

Kurt war jetzt allein mit seinen vier Kindern und seinem Schwiegervater im erst vor 
gar nicht so langer Zeit neu gebauten Haus. Seine Mutter half, ebenso seine Nichte 
Margret. Seine größte Stütze war seine älteste Tochter Karin.

KuMü schrieb: „Wenn ich die Familie auf Dauer zusammenhalten wollte, musste 
etwas geschehen. Nur, wie sollte das gehen?“

Kurz vor Karneval 1972 setzte Kurt eine „Heiratsanzeige“ in den Kölner 
Stadtanzeiger. Eine der Antworten kam von einer gewissen Anneliese Reitmeier, 
einer verwitweten Mutter von zwei jungen Mädchen. Telefonate, erstes Treffen, 
Sympathie. Bereits am 17. März kauften sie sich in Köln Verlobungsringe und 
verlobten sich in einem Steakhaus am Neumarkt. Die Aufnahme bei den zukünftigen 
Schwiegereltern verlief überaus herzlich, und auch der erste Besuch von Anneliese 
und ihren Töchtern Astrid und Birgit im Haus in Schladern war gelungen.

KuMü schrieb: „Spannung auf beiden Seiten, Entspannung, nachdem sich alle 
begrüßt und umgesehen hatten. Die Zwillinge zogen mit Astrid und Birgit in ihre 
Zimmer. Karin als Hausfrau ließ vor Aufregung zweimal Wasser ohne Kaffeemehl 
durch die Maschine laufen. Es war der Beginn einer neuen, glücklichen Familie.“ Am 
26. April wurde im Rosbacher Rathaus standesamtlich Hochzeit gefeiert – später 
ging Kurt noch zu einer Gemeinderatssitzung.

 
Anlässlich seiner Hochzeit spendierte Kurt am nächsten Tag an seinem Arbeitsplatz 
beim Büro von Karl Wienand ein Fässchen Kölsch. Doch nicht nur aus diesem 
Anlass wurde daraus eine stimmungsvolle Party. Am gleichen Tag, dem 27. April 
1972, scheiterte im Deutschen Bundestag das Misstrauensvotum der CDU/CSU 
gegen Bundeskanzler Willy Brandt, Rainer Barzel erhielt nicht die notwendige 
Stimmenzahl, um Brandt abzulösen. Mindestens zwei Abgeordnete der Union hatten 
gegen Barzel gestimmt. 

KuMü schrieb: „Von Bestechung war die Rede. Diese sollte von Karl Wienand initiiert 
worden sein.“

Die Gescheiterten vermuteten eine bereits im Voraus geplante Siegesparty, dabei 
war es nichts anderes als ein „kleiner“ Umtrunk anlässlich einer Hochzeit. Dass 
dieser wegen des gescheiterten Votums heftiger ausfiel… Wer konnte das der SPD 
verhehlen?

Am 31. August wurde in der St. Elisabeth Kirche - „in aller Stille“ - auch kirchlich 
geheiratet. Nur die neue, große Familie saß zusammengepfercht in der ersten Reihe, 
alle anderen Bänke waren leer. Der Geheimhaltungscoup war gelungen. Selbst 
Wolfgang Bredenbrock vom „Bergischen Hof“, den man überredet hatte, am Ruhetag 
zu öffnen, war bereit, für die kleine Hochzeitsgesellschaft ein Abendessen zu kochen. 
Ihm hatte Kurt erzählt, dass die Schwiegermutter ihren 75. Geburtstag feiern wollte.

Ein politischer Lebensabschnitt endet

Im September 1972 stellte Willy Brandt die Vertrauensfrage, bekam nicht die 
erforderliche Kanzlermehrheit und bat daraufhin den Bundespräsidenten um die 
Auflösung des Bundestages und die Ausschreibung von Neuwahlen. Das 
Wahlergebnis für die SPD wurde hervorragend, sie stellte die stärkste Fraktion, Willy 
Brandt wurde erneut Bundeskanzler.

Doch es braute sich was zusammen. Bereits im Wahlkampf war Karl Wienand, der 
im Oberbergischen Kreis für den Bundestag kandidierte, in jeder Versammlung auf 
seine Rolle in der Paninternational-Affäre angesprochen worden und musste sich 
verteidigen. Die Affäre um den bestochenen CDU-Abgeordneten Steiner beim 
Misstrauensvotum im April und die Frage, ob und wie Wienand eventuell seine 
Finger im Spiel hatte, wurden immer wieder in der Öffentlichkeit diskutiert. 
Staatsanwaltliche Untersuchungen in Wienands Büro in Bonn und im Haus in 
Schladern folgten. Dann der Schock: Günther Guillaume wurde Anfang Mai 1974 als 
DDR-Spion enttarnt. 

Kumü schrieb: „…mit dem ich ein gutes, kollegiales Verhältnis 
hatte… . Wir hatten in den Fraktionssitzungen nebeneinander gesessen, ich 
konnte es nicht fassen.“

Willy Brandt übernahm die Verantwortung und trat zurück, Helmut Schmidt wurde 
neuer Bundeskanzler.

Anfang September teilte Herbert Wehner Kurt mit, dass Karl Wienand sein 
Bundestagsmandat niederlegen und er das Büro Wienands auflösen werde. Damit 
verlor Kurt zwar seinen langjährigen Arbeitsplatz, doch Wehner empfahl ihm, sich als 
Referent in der Arbeitsgruppe Raumordnung, Bauwesen und Städtebau zu 
bewerben. Die Bewerbung verlief erfolgreich und zum 1. April 1975 sollte er an 
seinem neuen Arbeitsbereich anfangen.

Neue Wege

Nach Wienands Rückzug aus dem Bundestag versuchte dieser, Kurt das Amt des 
Beigeordneten bei der Windecker Gemeindeverwaltung schmackhaft zu machen. 
Nach anfänglichen Bedenken Kurts und Wienands Rücksprachen mit dem 
Oberkreisdirektor sowie dem amtierenden Gemeindedirektor von Windeck, Erich 
Krämer, bewarb sich Kurt dann doch auf die ausgeschriebene Beigeordneten-Stelle, 
nicht ohne zuvor sein Mandat als Gemeinderatsmitglied niedergelegt zu haben.
 
KuMü schrieb: „Es ging darum, nicht den Anschein zu erwecken, als wollte ich als 
Mitglied der SPD-Fraktion die Entscheidung meiner Kollegen im Gemeinderat 
beeinflussen.“

Eine klare Mehrheit für Kurts Wahl zeichnete sich ab. Es kam anders. Einflussreiche 
Genossen aus der SPD-Fraktion wandten sich von Kurt ab. Als am 27. Januar 1975 
in der Aula der Hauptschule in Rosbach die Wahl durchgeführt werden sollte, 
beantragte die CDU, die Beigeordnetenwahl von der Tagesordnung zu setzen. 
Einige Mitglieder der SPD-Fraktion stimmten mit der CDU und die Wahl war vom 
Tisch. Eines der Argumente der Abtrünnigen: „Kurt Müller hat einen Job in Bonn. Da 
soll er beruflich arbeiten und sich ehrenamtlich in Windeck betätigen. Wir können ihn 
weder in der Fraktion noch als Parteivorsitzenden missen.“ Als Folge trat wenige 
Tage später der gesamte Vorstand des SPD-Ortsvereins Windeck zurück, d. h. auch 
Kurt stand als 1. Vorsitzender nicht mehr zur Verfügung. 

KuMü schrieb: „Das war das vorläufige Ende meiner aktiven Kommunalpolitik, 
verbunden mit dem neuen Lebensgefühl, Zeit zu haben. Wenn ich von Bonn nach 
Hause kam, war Feierabend.“

Schon einen Tag nach dem Votum gegen ihn übernahm Kurt in Bonn einen noch 
lukrativeren Posten, der bis zu der Entscheidung des Gemeinderates für ihn 
freigehalten worden war: Er wurde Leiter des Referats für Raumordnung, Bauwesen 
und Städtebau – und blieb dies bis 1989.

Kommunalpolitisches Comeback

1984 bereitete Kurt sein kommunalpolitisches Comeback vor. Nach der 
Legislaturperiode von 1964 bis 1969 kandidierte er wieder für den Kreistag und zog 
über die Reserveliste auch in diesen ein. Direkt gewählt wurde sein CDU-
Gegenkandidat Jürgen Seidel, damaliger Rektor der Realschule in Herchen.
Die Arbeit im Kreistag stellte sich für Kurt nicht so problemfrei dar wie seine erste 
Legislaturperiode. Zentrale Themen damals waren die Müllentsorgung, der Bau der 
ICE-Strecke Köln–Frankfurt und der Verkehrsverbund Rhein-Sieg.

Mitte 1989 machte Karl Wienand, der mittlerweile Vorsitzender des SPD-Ortsvereins 
war, Kurt das Angebot, einige Stunden wöchentlich bei ihm zu arbeiten. 

KuMü schrieb. „Aus den Stunden wurden dann die Vormittage von Montag bis 
Freitag. Ich ging morgens um 9 Uhr rüber und kam mittags gegen 12 Uhr nach 
Hause.“ 

Ihn und dem damaligen Pateigenossen und amtierenden Beigeordneten der 
Gemeinde Windeck, Hans Marx, betraute er mit der Aufgabe, den anstehenden 
nächsten Kommunalwahlkampf 1989 zu organisieren. Unvergessen während dieses 
Wahlkampfs blieb die Verteilung von 7.500 Kochbüchlein mit dem Titel „Man nehme“ 
mit Rezepten aus dem Bergischen Land, Sprüchen, Anekdoten, Tipps und Tricks für 
sparsames Haushalten. Es wurde von den Bürgern an den Haustüren oder Info-
Ständen mit Begeisterung angenommen, genauso wie die kleine Tragetasche mit 
zwei frischen Brötchen und der Parteizeitung „ZAS“ (Zeitung am Sonntag) am 
Wahlsonntag. Der Wahlausgang war für die SPD überwältigend: absolute Mehrheit. 
Nicht nur das: Kurt wurde direkt gewählt und setzte sich damit diesmal gegen Jürgen 
Seidel durch.

Im Rahmen der konstituierenden Sitzung des neuen Kreistags am 19.9.1989 wurde 
Kurt zum Vizelandrat und damit zum 1. Stellvertreter von Landrat Dr. Franz Möller, 
CDU, gewählt. 

KuMü schrieb: „Die Wahl war für mich ´die Erfüllung´, nach über dreißig Jahren 
Kommunalpolitik in den nächsten fünf Jahren Vizelandrat des Rhein-Sieg-Kreis zu 
sein.“

Sein Aufgabenbereich war nun vorzugsweise repräsentativer Natur: Gratulationen zu 
diamantenen Hochzeiten und zu Geburtstagen ab 100 Jahre, die Überreichung von 
Verdienstkreuzen, Vereinsjubiläen, Ausstellungseröffnungen und Repräsentation des 
Kreises auf Landesebene oder in anderen Städten und Kreisen usw. Ein 
„Arbeitsfeld“, auf dem sich Kurt sehr wohlfühlte. 

Doch Kurt verteilte nicht nur Verdienstorden, er empfing auch einen. Im November 
1992 erhielt er bei einem Festakt in der Rotunde des „Hotel Petersberg“ von 
Ministerpräsident Johannes Rau den Verdienstorden des Landes Nordrhein-
Westfalen. Unter den neuen Ordensträgern befanden sich auch der SPD-Politiker 
Hans-Jürgen Wischnewski, der Komponist Karl-Heinz Stockhausen und der 
Schriftsteller Ralph Giordano (u.a.). 

KuMü schrieb: „Dieser Landesorden hat besondere Bedeutung, weil es jeweils nur 
bis zu 3000 Ordensträger geben sollte. Böse Zungen behaupten, nur ältere 
Menschen bekämen den Orden, damit durch altersbedingte Fluktuation die Zahl 
3000 nicht überschritten werde.“

Nachdem ein Jahr nach der Bundestagswahl im Dezember 1990 Landrat Möller zum 
Justiziar der CDU-Bundestagsfraktion gewählt worden war, musste Kurt nun auch 
viele von dessen Terminen übernehmen. Liest man die Zusammenstellung seiner 
damaligen Termine, so muss man bezweifeln, dass er mit den üblichen 24 Stunden 
eines Tages überhaupt auskam.

Trennung von der Politik

Zum Ende der Legislaturperiode war Schluss für den 1. Stellvertretenden Landrat. 
Anlass für den Abschied von der politischen Bühne war auch sein 65. Geburtstag im 
Januar 1994. In der Rundschau wurde er zitiert: „In fast 40 Jahren habe ich mich vom 
ungeduldigen jungen zum grantigen alten Kommunalpolitiker entwickelt.“ In einem 
Interview ging er nicht so selbstkritisch mit sich um: „Nachdem das 65. Lebensjahr 
erreicht ist, werde ich mit Ende dieser Legislaturperiode meine aktive Arbeit in der 
Kommunalpolitik beenden. Ich bin sicher, dass es für mich außer Politik noch andere 
Dinge geben wird.“ Der Übergang von der aktiven Politik in den „normalen“ Alltag war kurz und 
schmerzlos. 

KuMü schrieb: „Die letzten Aufgaben bestanden darin, das Postfach im Fraktionsbüro 
zu leeren, den Parkausweis abzugeben und dem Landratsbüro gegen Quittung einen 
Hauptschlüssel des Kreishauses auszuhändigen.“

Fazit

Auf Nachfrage von uns Interviewern kam von Kurt eine ganz schnelle Aussage: „Ich 
würde alles in meinem Leben noch einmal genauso machen, vielleicht manchen 
einfacheren Weg gehen. Meine politischen Verbindungen haben einiges gebracht. 
Manches für mich, viel für andere, die mich um Hilfe gebeten hatten.“


 
Einige wenige Zahlen fehlen noch: Von insgesamt sechs Kindern (vier eigenen aus 
der ersten Ehe mit Else und zwei adoptierten aus seiner zweiten Ehe mit Anneliese) 
hat er 13 Enkel und 14 Urenkel. KuMü sitzt in seinem Sessel – und schmunzelt. 

Alle Familienfotos: Familienarchiv Müller/Kasper.

Kurt Müller gerufen war der „Gründervater“ der 1996 eröffneten hauptamtlichen 
Rettungswache in Windeck-Roth. Genau ein Jahr und einen Tag nach seinem Tod 
2018 lud der Ortsverein zur Umbenennung des DRK-Zentrums in „Kurt-Müller-Haus“ 
ein.  

Witwe Anneliese enthüllt mit dem DRK-OV-Vorsitzenden Willi Meis (Brille) und 
mit dem Leiter der Rettungswache Bernd Voss (Schirm) die 1,80 Meter hohe Granit-
Stele mit dem Bronzeporträt ihres verstorbenen Mannes. Foto: Schmidt
 

Im Jahr 2017 war Ehrenvorsitzender KuMü noch Gast zum 20. Geburtstag vom DRK-Kindergarten Zauberwald in Roth gewesen. Foto: Schmidt