Dorffest in Loch, von Elmar Pauly
Autor: Elmar Pauly 20.07.2024

Es begann wohl 1977. Zuvor hatten wir 1974/75 unsere drei Garagen gebaut, unsere alte Scheune abgerissen und den Hof gepflastert. Danach entstand die Idee, ein "Locher Dorffest" zu feiern. Wer genau die Idee hatte, weifl ich nicht, aber mein Vater war wohl stark daran beteiligt. Schnell fanden sich Helfer, und so wurde 1977 das erste Dorffest bei uns auf dem Hof gefeiert.

Neben meinen Eltern Elsbeth und Arnold Pauly waren unter anderem Gerda und Heinz Kerper, Inge und Eugen Klüser, Berta und Karl Fuchs, Christel und Wolfgang Jung sowie Gerlinde und Franz Folda dabei, um das Fest zu organisieren. Die Vorbereitungen begannen schon Tage vorher: Die Garagen mussten leergeräumt und Tische und Bänke aufgestellt werden.

Es war geplant, für alle Erbsensuppe zu kochen, wofür unser alter Waschkessel zum Einsatz kam. Dieser steht bis heute noch im Keller. Früher stand er in unserer alten Waschküche und war aus Beton, Schamotte und einem 100-Liter-Kupferkessel und wurde mit Holz oder Briketts beheizt.
Der Waschkessel war vielseitig einsetzbar - nicht nur zum Waschen, sondern auch für die Zubereitung von Viehfutter oder zum Einkochen von Gläsern und Dosen. Auch wurde die frische selbstgemachte Wurst im Darm darin gekocht. In der Zeit, bevor Badezimmer allgemein üblich wurden, diente die Waschküche auch der Körperpflege. Bis Mitte der 1960er-Jahre hatten wir kein Badezimmer, und samstags wurde das Wasser erhitzt, eine Zinkwanne geholt und mit warmem Wasser gefüllt, sodass alle nacheinander darin baden konnten. Nun diente der Waschkessel dem Kochen der Erbsensuppe, unter der Leitung von Berta Fuchs. Am Vortag mussten dazu jede Menge Kartoffeln geschält und geschnitten und die Erbsen eingeweicht werden. Früh am Morgen wurde der Kessel erhitzt, und die Suppe köchelte stundenlang, ergänzt durch Zutaten wie Fleischeinlagen, Lauch und mehr. Ab Mittag gab es Bier, und die Einwohner begannen langsam einzutreffen. So versammelten sich nach und nach alle aus Loch - entweder in der Garage oder draußen am Stehtisch. Bald war die Erbsensuppe fertig, und jeder konnte sich stärken. Nachmittags gab es dann auch Kaffee und Kuchen.
So ging es viele Jahre weiter, und jedes Jahr wurde das Dorffest bei uns gefeiert. Siehe die folgenden Fotos von 1984. Im Laufe der Zeit kamen immer mehr "Belustigungen" für Kinder und Erwachsene hinzu, wie zum Beispiel Fahrradwettbewerbe, bei denen man rückwärts treten musste oder das Lenken rechts und links vertauscht war. Es war immer lustig, und jedes Jahr gab es Erbsensuppe. Alle Getränke und das Essen waren kostenlos. Die Kosten wurden durch Spenden gedeckt: auf dem Tisch stand ein Karton, und jeder konnte spenden, was er wollte. Am Ende blieb meist noch etwas für das nächste Jahr übrig.



Arnold Pauly wurde als Bürgermeister von Loch eingestellt, aufgrund seines großen Einsatzes und Engagements.

Doch so schön das Fest auch immer war, irgendwann wurde es meinen Eltern altersbedingt zu anstrengend. Zudem kamen zunehmend mehr Gäste, auch von außerhalb, und es gab immer wieder Beschädigungen auf unserem Grundstück. Schließlich endete diese Tradition. Später wurde das Fest jedoch in Form des jährlichen "Straßenfests" bei den Mindels fortgeführt. Und rate mal: Hans Mindel wurde der neue Bürgermeister.


Die Ankündigung erfolgt immer an der Mitteilungstafel in der Dorfmitte. "bei den Mindels" bedeutet auf dem Platz vor der Werkstatt von Roger Mindel, der ein Autoreifen-Geschäft betreibt. Bei schlechtem Wetter findet das Fest in der Werkstatt statt. Bei schönem Wetter stehen die Tische draußen, wie auch 2024. Professionell ausgestattet ist der Getränkewagen, an dem frisches Kölsch gezapft wird. In den letzten Jahren sind nun auch die Kinder und Enkelkinder der ursprünglichen Gründer des Dorffestes beteiligt.


Oben rechts steht Roger Mindel, am rechten Ende des Tisches sitzt seine Mutter Gretl, und links am Tischende Alfred, der auch in diesem Jahr die herrlichen Frikadellen zubereitet hat.

Etwas zu essen gibt es immer noch - keine Erbsensuppe mehr, denn die passt nicht so gut zum Sommer, aber Alfreds Frikadellen und dazu Wurstbrötchen, hier am Bild verkauft von Manuel Kerper und seiner Mutter Margit. Die Kosten des Straßenfests werden durch den Verkauf von Getränken und Essen getragen. Doch bezahlt wird nicht mit gewöhnlichem Geld oder Karte - sondern mit sogenannte "Lochanern". Zu Beginn des Abends kauft man eine bestimmte Menge davon und hofft, damit auszukommen. Doch manchmal muss man, je nach Geselligkeit, noch ein paar dazu kaufen, um später festzustellen, dass man vielleicht doch eine zu viel erworben (und konsumiert) hat. Wenn du am nächsten Tag die Hose wieder anziehst, die du beim Straßenfest getragen hast, stellst du fest, dass es nicht nur ein Kölsch zu viel war, sondern drei zu wenig, weil du nicht alle Lochaner genutzt hast. Falls ein Gewinn übrig bleibt - und wir wissen ja, dass immer etwas "hängen bleibt" - wird Dieser für die Weihnachtsfeier genutzt. Diese findet in Rogers Werkstatt statt, wo die Hebebühne zur Theke umfunktioniert wird. Es gibt dann keine Bedienung, jeder zapft oder schenkt selbst ein. Neben dem Zapfhahn steht ein Karton für Spenden, und so beginnt das Ganze wieder von vorne: denn auch da bleibt wieder etwas hängen für das nächste Straßenfest