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Für den Social Senior Club ist angerichtet

Text | Vereine | 22.05.2026

Von Sylvia Schmidt
Windeck, 22. Mai 2026

Wenn am 30. August 2026 der offizielle Startschuss der Gemeinde Windeck als Pilotgemeinde für den Social Senior Club Windeck, SSC, fällt, ist das für die Generation 50+ ein Tag von Bedeutung. Die SSC-Initiative bringt Menschen, Vereine, soziale Träger und Kommunen für mehr Lebensfreude, Nähe und Teilhabe zusammen. Das Engagement der Menschen gibt selbst den Takt an und bildet ein starkes Unterstützungsnetzwerk! Neben der Internetseite https://social-senior.club ist das Herzstück die Social Senior Club-App, die kostenlos heruntergeladen werden kann. Über diese einfach zu bedienende Plattform kann man sich prima in allen Belangen miteinander vernetzen.

Von links: Lutz, Sylvia, Carola, Vera, Gisela
Hinten: Gudrun, René und Antonia

Wie einfach eine Idee aus dem Hut gezaubert werden kann, der Herchener Fotograf René Schwerdtel und ich, Sylvia Schmidt, Vorsitzende vom Verein Windeck im Wandel, WiWa, hatten im vergangenen Sommer schon einige Ideen ausheckt. Marion Buchmüller hatte kürzlich Wind von unserem als Testlauf geplanten „Kochen wie vor 100 Jahren“ gehört und Interesse bekundet mit zu machen. Der offizielle Termin steht fest, also nahmen wir es als Startschuss. Marion konnte bedauerlicherweise am Termin zwei Wochen später nicht dabei sein. Verschieben war aus beruflichen Gründen nicht möglich. 

Die Suche nach einem Menü war schnell beendet, erst wenige Tage vorher hatte ich das Schulkochbuch meiner Schwiegermutter in den Händen gehalten. Und weil ich auch als WiWa-Vertreterin mitmache, fand ich es eine prima Idee, das Thema auch mit einer realen Person zu verbinden.

Aus dem Kochbuch der Helene Penny (verh. Salz) aus Altwindeck

Meine Schwiegermutter besuchte von Ostern 1941 bis Ostern 1942 die städtische Haushaltschule in Siegburg 

In ihrem handgeschriebenen Kochbuch hatte sie nicht nur Rezepte notiert, auch eine Liste der Schülerinnen und Fotos von 50 Treffen 50 Jahre später. Anhand dieser Liste waren mindestens zwei weitere Schülerinnen aus Windeck: Helene Schiefen (verh. Holschbach aus Dreisel und Ernestine Schwellenbach (verh. Thiel) aus Altwindeck.

Helene Salz, 3. v. li., Ernestine Thiel, Mitte in roter Bluse

Ich wählte ein Rezept aus, das dort im Mai, nur 85 Jahre früher gekocht worden war.

Am 6. Mai 1941 standen diese Gerichte auf dem Lehrplan:

Vorspeise: Braune Grießsuppe

Hauptspeise: Königsberger Klopse in Holländischer Tunke mit Kartoffeln und Salat mit Sahnetunke 

Nachspeise: der Saison entsprechend Rhabarber-Kompott mit Vanilletunke

Mit ein bisschen hin und her stand schließlich auch die Teilnehmerliste fest. Uns war es für den Erlebnisfaktor wichtig, dass es Personen waren, die sich flüchtig oder gar nicht kannten. 

Zwei Tage vor dem Termin statteten René und ich dem Landmarkt in Leuscheid einen Besuch ab. Wie es sich in einem Dorfladen gehört, hatte René noch vor dem Einkauf das Interesse der ehrenamtlichen Genossenschaftsmitarbeiterinnen angeheizt.

Es kann losgehen, shoppen im Landmarkt, unbedingt am köstlichen Kaffee nippen

Streng an die Rezepte halten, nöö, also Orangenschale und Saft für den Rhabarber mitnehmen

Unsere überschaubare Zutatenliste hatten wir - inklusive Kapern - schnell zusammen. Nach der Anstrengung belohnten wir uns mit dem wohlmöglich besten Kaffee, der in Windeck zu haben ist. 

Am Sonntag, den 17. Mai war es soweit. Gegen 10.30 Uhr trafen die Teilnehmer*innen sich zum ersten Mal in der Küche von Antonia und René Schwerdtel in Herchen. Was dort zusammenkam umspannte mehr als eine Generation. Das Gastgeberpaar sind die Youngsters, sie werden bald 60 Jahre alt. Vera war mit 93 Jahren die älteste. Gudrun arbeitet im Seniorenbereich. Gisela ist vorzügliche Weinkennerin und mit 82 Jahren fährt sich nicht nur wöchentlich zum Tanzen nach Köln, sie nimmt begeistert an Tanz-Workshops in Budapest, La Gomera oder sonst wo teil. Carola???, Lutz ????, Antonia kommt aus Kolumbien, liebt Fleisch und ist Temperament und Lebensfreude pur. René arbeitet ist Fotograf und arbeitet für die Hamburger Nina und Edgar Kummerfeldt-Stiftung, die bundesweit den Social Senior Club initiieren möchte und der Pilot-Gemeinde Windeck in den kommenden drei Jahren eine Stelle finanziert, die das Projekt umsetzt. 

In Schwerdtels Küche wurden die Pötte angeworfen, wobei nicht jeder mit Kochen was im Sinn hatte. Quatschen, Genießen, alles war erlaubt, denn erstens waren ausreichend Kochlustige dabei und das Menü stellte keine besonderen Anforderungen. Als es vor 85 Jahren auf dem Speisezettel stand, herrschte Krieg in Deutschland. René und ich hatten den Rest besorgt, Kostenpunkt auf alle verteilt: 5 Euro pro Person

Die meisten haben Schwierigkeiten das Sütterlin meiner Schwiegermutter zu enträtseln, Vera natürlich nicht.

Na, ob Lutz eine große Hilfe ist?

Die Einkäufe liegen bereit

Die Mädels an der Herdplatte legen los

Topwichtig sind die essbaren Blöömcher für die Eiswürfel. Meine WiWa-Kollegin Helga Meierhenrich aus Herchen mitsamt Salatkopf aus ihrem Garten spendiert. René ist total geflasht von der Schönheit der Eiswürfel und freut sich schon aufs kühle Getränk.

René hat Schürzen vom Social Senior Club verteilt, ich habe mich für die von meiner Schwiegermutter entschieden.

Gemüsebrühe für die Klops ist auch angesetzt

Kartoffeln schälen, für Vera und Antonia im Nu abgehakt

Sahnetunke mit frischen Kräutern für den Salat

Die geschlossenen Schnittlauchköpfe kommen später in den Salat, die geöffneten Köpfe schmeißen wir als Deko auf den Tisch

Vera und Sylvia kümmern sich um die Zubereitung der Klopse

Gisela ist eingetrudelt, sie kennt die braune Grießsuppe noch aus früheren Jahren.

Zuhause hatte sie in aller Herrgottsfrühe die Knochenbrühe angesetzt, denn die braucht mindestens zwei Stunden. Vom Winzer hatte sie ausgezeichnete Weine mitgebracht.

Antonia freut sich über Giselas Mitbringsel

Gudrun und Carola kümmern sich um die Vanille-Tunke, die gelingt mit den topfrischen Eiern von Schwerdtels Hühnern traumhaft.

Köpfe zusammenstecken ist immer gut

Oben gute Laune, unten gute Laune, ....

Kein Wunder, es geht zu wie bei Alfred Biolek

Rhabarber gefällig? Schön karamellisieren

Mit Orangensaft und Zesten pushen

Diese anstrengende Kocherei - besser erstmal darauf anstoßen.

René darf mal Pause vom Fotografieren machen. Lutz kann das auch fein. 

Was fehlt noch? Richtig? Tafelschmuck. Blumen aus Sylvias Garten, Carola und Gudrun übernehmen und beweisen geschickte Hände.

Antonia bringt den letzten Schliff rein

Das Ergebnis wollen alle feiern

Ist aber auch zu schön geworden

Der erste Gang ist serviert – René setzen, wir haben Hunger

Vera mischt den Salat, der zweite Gang kann serviert werden

Also ran an die Kartoffeln

Genug Tunke ist wichtig

Guten Appetit! Gerade mal ein Stündchen gekocht und schon kann gegessen werden.

Die Tunke war mein persönliches Highlight, ich habe mehrmals Nachschlag geholt und später den Kaffee mit Tunke getrunken: Salzburger Melange. Das fand Nachahmer.

Antonia und René waren zauberhafte Gastgeber, man merkte, wieviel Spaß sie selbst hatten. Entsprechend wurden sie uns so schnell nicht los. Gegen 17.30 Uhr löste sich die Runde wohl eher aus Anstandsgründen auf. Wenn man uns lässt, kommen wir wieder. Aber nur weil Antonia das nächste Thema schon gewünscht hat. Rund um Rote Bete und als Kolumbianerin muss Fleisch auf den Tisch. René hat es so gut gefallen, er schrieb zwei Tage später, wir könnten den nächsten Termin schon festlegen. Allen hat es so gut gefallen, dass wir uns wohl tatsächlich bald wieder treffen.

Wir enden an der Stelle mit dem Zeugnis meiner Schwiegermutter. Es würde sie bestimmt freuen, wenn sie es noch erlebt hätte. Sie ist 2014 verstorben.

 

 

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Am Berg 15Herchen