Willy Korf und die Villa Korf in Au
Von Astrid Korf-Wolman und Johan Steenhoek

01.11.2025 Bahnhofstr. 15, Au, Foto Johan Steenhoek
Als ich unsere Infothek mal wieder durchstöberte, stieß ich auf die Tafel von Au und klickte darauf. Dabei erschien der einzige Eintrag zu Au, der von Frieder Döring verfasst wurde. Er handelt von der Herkunft des Namens Au. Aber über Au gibt es doch noch viel mehr zu erzählen – unter anderem über die Firma Gustav Korf Baustoffzentrum GmbH und den Enkel ihres Gründers, Willy Korf. Gegründet wurde der Baustoffhandel im Jahr 1878 und startete hinter dem Bahnhof auf der gegenüberliegenden Seite am Auer Wald. Ein relativ schmales, lang gezogenes Areal, auf dem zu Beginn noch weitere kleinere Firmen (Versandhandel Stöver) niedergelassen waren. Zwischen 1950 und 1960 wechselte man in die heutige Hammerstraße. Gustavs Enkel, Willy Korf, war ein außergewöhnlich talentierter Unternehmer. Und genau um ihn geht diese Geschichte.
Willy Korf – Unternehmer, Visionär und Stahlpionier
Willy Korf wurde am 13. August 1929 in Hamm (Sieg) geboren, im Haus seiner Großeltern. Sein Vater Arthur Korf war Bau- und Landwarengroßhändler, seine Mutter Margarethe Korf führte den Familienhaushalt in der Villa Korf in Au.

Villa Korf in Au. Foto: Johan Steenhoek, 2025
Das Elternhaus von Willy Korf an der Bahnhofstraße 15 in Au und der Baustoffhandel sind nicht mehr im Familienbesitz.
Der Baustoffhandel trägt jedoch noch immer den Namen Gustav Korf Baustoffzentrum GmbH und hat seinen Sitz an der Hammer Straße.

Korf Bauzentrum. Foto Johan Steenhoek, 2025
Seit dem Jahr 2000 ist das Unternehmen im Besitz von Burkhard Buch. Er hat es von den Korf Erben gekauft, nachdem es wirtschaftlich nicht mehr gut lief. Auf dem Gelände befindet sich noch immer die Deckenfertigung, die Willy Korf entwickelt hat.

Korf Bauzentrum. Foto Johan Steenhoek, 2025
Noch heute erinnern sich in der Region ältere Einwohner an die Familie Korf und ihr traditionsreiches Geschäft, auch wenn der Geburtsort des Unternehmers oft fälschlich mit dem benachbarten Windeck-Au verwechselt wird. Korfs Vater kam in den Wirren der unmittelbaren Nachkriegszeit ums Leben. Nach dem Besuch der Höheren Handelsschule in Köln legte Willy Korf 1948 das Abitur ab. Im Alter von nur 19 Jahren übernahm er die Leitung des Familienunternehmens in Au und zeigte früh unternehmerisches Talent.
In den Jahren des Wiederaufbaus profitierte Korf von der aufblühenden Baukonjunktur der Nachkriegszeit. Er erweiterte das Geschäft seines Vaters rasch und baute die Handelsaktivitäten im Bereich Holz-, Baustoff- und Eisengroßhandel aus. 1952 nahm er erstmals Baustahlmatten in sein Verkaufsprogramm auf. Zwei Jahre später zog er nach Kehl am Rhein, wo er einen kleinen Betrieb zur Herstellung von punktgeschweißten Baustahlmatten gründete. Das Unternehmen entwickelte sich erfolgreich und wurde bald zu einem ernstzunehmenden Wettbewerber der großen Drahthersteller im Ruhrgebiet. 1961 verkaufte Korf seine Fabrik für 20 Millionen DM an den Klöckner-Konzern in Duisburg. Doch anstatt sich auf seinen Erfolgen auszuruhen, suchte er neue Herausforderungen. Er erfand ein neues Verfahren, um diese Stahlmatten herzustellen, bei dem anstelle von Punktschweißen Kunststoffverbinder verwendet werden. So konnte er erneut im Baumatten-Geschäft mitmischen.
Mitte der 1960er-Jahre gründete er in Kehl die Badische Stahlwerke AG (BSW) – ein Elektrostahlwerk, das mit moderner Technologie und effizienter Produktion Maßstäbe setzte. Unter dem Dach der von ihm geschaffenen Holding Korf Industrie und Handel GmbH & Co. KG wurde BSW zu einem Symbol für den wirtschaftlichen Aufbruch und technischen Fortschritt der Nachkriegszeit.
Korf war ein Pionier der sogenannten „Mini-Mill“-Technologie, die die Stahlindustrie revolutionierte. Seine Idee war, kleinere, flexible Werke mit Elektrolichtbogenöfen zu betreiben, die Schrott als Rohstoff verwendeten und dadurch energie- und ressourcensparender produzierten. 1969 brachte er dieses Konzept in die USA und errichtete in Georgetown, South Carolina, das erste nach europäischem Vorbild konzipierte Mini-Stahlwerk auf amerikanischem Boden. Es war mit drei 60-Tonnen-Öfen, einem Drahtwalzwerk und zwei Stranggießanlagen ausgestattet und konnte jährlich rund eine halbe Million Tonnen Stahl produzieren.
In den folgenden Jahren expandierte Korf weltweit. Er gründete weitere Werke in Hamburg, Montereau (Frankreich)und Beaumont (Texas). 1974 übernahm er die Midrex Corporation, die das Direktreduktionsverfahren zur Herstellung von Eisen ohne Hochofen entwickelte – eine bahnbrechende Technologie, die ihn weitgehend unabhängig vom Schrottangebot machte und die Grundlage für weitere Innovationen legte.
Mit seinen Ideen und seinem Mut, neue Wege zu gehen, wurde Korf zu einer Legende der internationalen Stahlindustrie. Er war nicht nur Unternehmer, sondern auch ein Visionär, der stets bereit war zu experimentieren, Talente zu fördern und seine Mitarbeiter zu inspirieren. Sein Erfolg beruhte auch auf der engen Zusammenarbeit mit dem Ingenieur Gerhard Fuchs, einem Pionier der Elektrolichtbogenofen-Technologie. Gemeinsam schufen sie Werke, die weltweit Maßstäbe setzten.

Helmut Schmidt, Willy Korf und zwei Scheichs. Foto: Korf Foundation
Doch die Ölkrisen und der Stahlabschwung der späten 1970er-Jahre trafen auch das Korf-Imperium schwer. 1983 mussten die Badischen Stahlwerke Insolvenz anmelden, wurden jedoch durch eine Landesbürgschaft gerettet. Die Hamburger Stahlwerke gingen später in den Besitz von Lakshmi Mittal über, der sie in den ArcelorMittal-Konzern integrierte. Korf ließ sich jedoch nicht entmutigen. 1985 gründete er die Korf-Transport GmbH und suchte erneut den Neuanfang, indem er seine Ideen energieeffizienter Kleinst-Stahlwerke weiterverfolgte. Am 21. November 1990 kam Willy Korf bei einem Flugzeugabsturz nahe Innsbruck tragisch ums Leben. Er wurde nur 61 Jahre alt. Seine älteste Tochter Astrid Korf führt heute die Willy Korf Stiftung, die das Andenken an einen der bedeutendsten deutschen Unternehmer der Nachkriegszeit bewahrt.

Willy Korf bei einem Modellanlage. Foto: Korf Foundation
Willy Korf war ein Mann mit Vision, Tatkraft und unerschütterlichem Glauben an den Fortschritt – ein Pionier, der die Stahlindustrie in Deutschland und weit darüber hinaus nachhaltig veränderte.