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Geschichte der Uhrmacher in Alsen

Text | Dorfgeschichten | 09.11.1904

Von Klaus Schmidt, Alsen 2010

Ein fast vollkommen vergessenes Handwerk in Alsen stellt die Uhrenherstellung dar, wie sie etwa in der Zeit von 1775 bis 1915 existierte.

 

Das heutige Alsen besteht aus den Ortsteilen Niederalsen / Oberalsen / Schneppe und besitzt etwa 270 Einwohner. Es liegt in der Gemeinde 51570 Windeck im östlichen Teil des Rhein-Sieg-Kreises beziehungsweise dem südlichsten Teil des Bergischen Landes.

Im oben genannten Zeitraum wurden von verschiedenen Uhrmacherfamilien, die nach meinen Recherchen in alten Unterlagen auch miteinander verwandt waren, in mehrfacher Generationenfolge Hausuhren hergestellt und verkauft. Dabei handelte es sich um Wanduhren und Standuhren.

Die Gehäuse dazu wurden zumeist von der Schreinerei Färber in Alsen in Eichen- und später dem Zeitgeschmack entsprechend in Kirschbaumholz gebaut. Teilweise waren aber in den Uhrmacher-Familien selbst auch Schreiner vorhanden, die wahrscheinlich am Gehäusebau beteiligt waren. 

Von ihren Erbauern ist in der Bevölkerung wenig bis nichts mehr bekannt. Man weiß, dass es früher einen Uhrmacher gab und da stand einmal eine alte Standuhr im Wohnzimmer. Nach Auswertung von Kirchenbüchern, diverser Archive und alter Unterlagen sowie der Inaugenscheinnahme zahlreicher Wand- und Standuhren ist es mir nach über eineinhalbjährigen Recherchen gelungen, die Lebensdaten der Uhrmacherfamilien in Alsen zu ermitteln und etwas Licht ins Dunkel der Geschichte zu bringen.

Dabei stellte ich fest, dass ich der Ur-Ur-Ur-Ur-Ur Enkel des ersten Schmidt Uhrmachers, Johannes Friedrich Schmidt *21.10.1749 bin.

Folgende Uhrmacher sind nachzuweisen:

1.   Schmidt, Oberalsen und Niederalsen
2.   Joest, Schneppe
3.   Thönnes, Schneppe
4.   Merten, Niederalsen und Leuscheid (hier sind mir keine signierten Uhren bekannt)

Die Uhren wurden wahrscheinlich zu dieser Zeit teils Hauptberuflich als auch im Nebenerwerb parallel zur Landwirtschaft hergestellt. In den Kirchenbüchern findet man häufig bei ein und der gleichen Person bei verschiedenen kirchlichen Anlässen die Berufsangabe „Uhrmacher“ als auch „Ackerer“.

Dementsprechend niedrig war wohl die Stückzahl und hoch der Kaufpreis, der dem
durchschnittlichen Jahreseinkommen eines „Normalverdieners“ zu dieser Zeit entsprach.
Dafür spricht auch die Höhe der Standuhren, die oftmals 2,30 Meter erreichte. In einem
durchschnittlichen, bäuerlichen Fachwerkhaus findet man lediglich 2 Meter vor. Daher ist anzunehmen, dass der Besserverdienende in Bürgerhäusern mit höheren Räumen Käufer von Standuhren war.

Einige der Uhren wurden aus Kostengründen zunächst als Wanduhren verkauft und später mit einem Uhrenkasten versehen, etwa wenn man wieder zu Geld gekommen war oder eine Hochzeit bevor stand. Man erkennt dies an den dann vorhandenen Wandaufhängungen am Uhrenkopf oder dem irgendwie stilistisch nicht hundert Prozent zum Kopf passenden Uhrenkasten.

Trotzdem sind heute noch im Bereich der Gemeinde Windeck, Eitorf, Hennef sowie in der Gegend um Weyerbusch, Altenkirchen, Asbach einige wenige Exemplare im Familienbesitz. Sie haben die Wirren der Zeit und der beiden Weltkriege bis heute überstanden und zeigen immer noch zuverlässig die Stunde an. Weitere Uhren befinden sich in fester Sammlerhand.

Wie es zu der Uhrenproduktion kam oder wer die Lehrherren der Uhrmacher gewesen sind, kann nicht mehr nachvollzogen werden.


Anzahl der Uhrmacher und Produktionszeiten:

 1. Die Uhrmacherfamilie Schmidt stellt zahlenmäßig den größten Personenkreis dar. Hier
 wurden in vier Generationen von insgesamt sieben Personen Uhren hergestellt.
 Produktionszeitraum: circa 1775 – 1900

 2. Der Uhrmacher Joest war in seiner Familie eine Einzelperson. (Halbbruder der drei Thönnes)
 Produktionszeitraum: circa 1840 – 1852

 3. Bei der Uhrmacherfamilie Thönnes handelt es sich um drei Brüder. (Halbbrüder des Joest)
 Produktionszeitraum: circa 1850 – 1915

Aber auch in der direkten Nachbarschaft zu Alsen existierten Uhrmacher:

1. Kuchhäuser in Stromberg

2. Koch in Stromberg

3. Weyand in Werfen

 

1. Uhrmacher Johannes Friedrich Schmidt *21.10.1749

In Alsen begann Johannes Friedrich Schmidt *21.10.1749 geboren in Niedersaal mit dem
Uhrenbau. Er war der Sohn von Johannes Henrich Schmidt aus Niedersaal und Eva Maria Catharina Engelbert aus Hundenborn. Er heiratete am 14.08.1771 die Anna Gertraud Happenschoß *02.02.1751 geboren in Oberalsen und zog nach Oberalsen, Hausnummer 47 zu seiner Ehefrau.

Hier wirkte er als Uhrmacher.
Johannes Friedrich Schmidt starb am 17.01.1813 in Oberalsen.

Weiterhin übte er das Amt eines Kirchenrates im Kirchspiel Leuscheid aus. In seiner Totenakte steht: „Johannes Friedrich Schmidt, gewesener Kirchenrath der hiesigen Gemeinde war Ehemann.
63 Jahre, 2 Monate, 27 Tage.“

Seine Ehefrau Anna Gertraud Schmidt geb. Happenschoß starb am 05.12.1819 in Oberalsen.

Johannes Friedrich Schmidt wird am 19.10.1795 erstmals als Uhrmacher in einem Bericht des Leuscheider Dorfpfarrers Johann Friedrich Moes erwähnt. Zu diesem Zeitpunkt zogen Abteilungen der geschlagenen französischen Armee plündernd durch die Dörfer. Hier ein Zitat aus den Aufzeichnungen des Pfarrers:

„Den 19. Oktober ging ich des Morgens 8 Uhr nach Oberalsen, um Kranke in des Uhrmachers Haus zu besuchen. Als ich einige Minuten dort gewesen, kamen schon einige Franzosen übers Feld herunter. Ich hatte soviel Zeit, einen Bauernkittel überzuziehen, die Perücke abzulegen und eine Mütze umzutun. Ich ging auf das zweite Stockwerk, wo der älteste kranke Sohn und seine Frau lag. Gleich hörte ich, das ein Franzose kam und zum Uhrmacher sagte, „Vater, gebt mir was zu essen.“ Als er gegessen, sagte er: „Bauer, zieh mir Deine Schuhe aus.“ Das tat der Uhrmacher.
Darauf kam eine Partie Reiter; drei kamen herauf. Als einer die Kranken sah, ging er zurück und sagte zu seinen Kameraden: „Hier sind Kranke. Laß uns zurückgehen.“ Darauf kamen wieder Reiter. Ich hörte einen auf französich sagen. „Hier wohnt ein reicher Uhrmacher. Hier müssen wir Sackuhren bekommen.“ Einer setzte dem Uhrmacher die Pistole auf die Brust. Ein anderer schlug sie aber zurück, und so dauerte es bis gegen 11 Uhr. Wann eine Partie fort war, kam die andere wieder, welche nahmen, was sie fanden. Als sie eben weg waren, geschahen zwei Schüsse aufs Haus. Gott, in welche Angst geriet ich dadurch. Ich stellte mir nichts anderes vor, das Haus würde bestürmt und wir würden alle unglücklich werden. Es wurde darauf still. Ich sah die Franzosen weglaufen. Ich ging also herunter und hörte, das ein Oberalser Bauer, der den Kaiserlichen vorher
gedient, in des Uhrmachers Haus gewesen, in Wut geraten, worauf zwei auf ihn gefeuert.“

Aus der Ehe gingen insgesamt neun Kinder hervor, wovon zwei Söhne das Uhrmacherhandwerk erlernten:

Johannes Gerhard Schmidt *21.02.1772, Uhrmacher
Johannes Friedrich Schmidt *05.01.1779, Uhrmacher

 

2. Sohn und Uhrmacher, Johannes Gerhard Schmidt *21.02.1772

Johannes Gerhard Schmidt *21.02.1772 geboren in Oberalsen heiratete am 17.08.1795 die Anna Catharina Mäueler *05.10.1769 geboren in Kircheip und zog nach Niederalsen, Hausnummer 33.

In Niederalsen arbeitete er als Uhrmacher und starb am 04.08.1817 im Alter von 45 Jahren.

In seiner Todesurkunde steht folgendes geschrieben:

„Johannes Gerhard Schmidt ein Ehemann. Dieser wurde durch einen Flintenschuß am 3. August morgens 8 Uhr im Walde auf dem Sohlplatz schrecklich verwundet, was er unter ihn höchster Lasten Schmerzen, abends 7 Uhr gestanden wodurch des folgenden Morgens um 3 Uhr gestorben ist.“  Er wurde wahrscheinlich als Wilddieb angeschossen.

Aus der Ehe gingen insgesamt fünf Kinder hervor:

Der erstgeborene Sohn, Friedrich Wilhelm Schmidt *18.08.1797 in Niederalsen, gestorben
08.10.1855 in Schneppe heiratete am 02.04.1809 die Anna Maria Ottersbach *27.04.1801 geboren in Schneppe, gestorben 01.05.1874 in Schneppe und wurde Ackerer und Uhrmacher.

Aus der Ehe des erstgeborenen Sohnes und Ackeres, Friedrich Wilhelm Schmidt und seiner Frau, Anna Maria Ottersbach gingen insgesamt neun Kinder hervor:
Davon wurde der viertgeborene Sohn, Johann Gerhard Schmidt *17.09.1826 in Niederalsen, gestorben 29.10.1900 in Niederalsen ebenfalls Uhrmacher. Im Sterberegister wurde auch noch im Jahr 1900 die Berufsbezeichnung Uhrmacher eingetragen.

Der sechstgeborene Sohn, Johann Wilhelm Schmidt *14.03.1833 in Niederalsen, gestorben am 12.05.1907 heiratet am 28.01.1859 die Catharina Elisabeth Himeröther. Nach ihrem Tod am 05.05.1860 heiratet er in 2. Ehe am 24.08.1861 die Anna Gertraud Waldhans aus Niederalsen.
Bei seiner zweiten Heirat wird er im Kirchenbuch noch als Uhrmacher eingetragen. Bei der Geburt seiner vier Kinder ist dann nur noch die Berufsbezeichnung Ackerer vorzufinden.


3. Sohn und Uhrmacher, Johannes Friedrich Schmidt *05.01.1779

Johannes Friedrich Schmidt *05.01.1779 geboren in Oberalsen, heiratete am 28.05.1814 die Catharina Wilhelmina Schäfer *26.01.1790 geboren in Altenkirchen.
In Oberalsen arbeitet er als Uhrmacher.
Anläßlich einer Patenschaft wird er am 14.01.1803 im
Alter von 24 Jahren bereits als Uhrmacher bezeichnet.

Johannes Friedrich Schmidt stirbt am 27.06.1841 in Oberalsen.

Aus dieser Ehe gingen insgesamt vier Kinder hervor:

Der erstgeborene Sohn, Carl Friedrich Schmidt *25.02.1815 geboren in Oberalsen erlernt den Beruf des Uhrmachers und heiratet am 16.04.1837 die Anna Maria Fischer *28.10.1817 geboren in Hellmeroth.

Carl Friedrich stirbt sehr früh im Alter von 27 Jahren am 28.10.1842.

 


Uhrmacher Johannes Friedrich Joest aus Schneppe

 Johannes Friedrich Joest wurde am 17.09.1817 in Kocherscheid geboren.
 Da seine Mutter früh verstarb heiratete sein Vater später nach Schneppe.

 In Schneppe arbeitete er bereits vor seiner Heirat als Uhrmacher.

 Am 27.12.1850 heiratete er die Margarete Magdalene Schmidt, 24 Jahre aus Oberirsen
 und zog zu ihr nach Oberirsen. Hier arbeitete er als Uhrmacher weiter.

 Er starb am 07.01.1853 an Lungenfieber und hinterließ einen Sohn.

 Zitat aus dem Kirchenbuch in Birnbach:

„Johannes Friedrich Joest Uhrmacher zu Oberirsen, evangelisch, gebürtig von Kocherscheid. Alter 33 Jahre. Eltern, der verstorbene Johann Joest und der noch lebenden Anna Gertraude geborene Ottersbach jetzt Ehefrau des Thönnes zu Schneppe. War bis jetzt noch nicht verheiratet.
Braut, Margarete Magdalene Schmidt zu Oberirsen 24 Jahre alt. Eltern, die noch lebenden Eheleute Heinrich Schmidt und Anna Gertraude geborene Marenbach zu Oberirsen. War bisher noch nicht verheiratet. Getraut am 27.12.1850

Nachtrag, Johannes Friedrich Joest starb am 7. Januar 1853 hinterließ ein Söhnlein und war 35 Jahre, drei Monate und 17 Tage alt. Todesursache Lungenfieber.“

 


Uhrmacherfamilie Thönnes aus Schneppe

Die drei Uhrmacherbrüder Thönnes stammten aus Schneppe und arbeiteten hier auch als Uhrmacher.

Sie waren die Söhne des Tagelöhners Gottfried Thönnes *08.01.1796 Geburtsort unbekannt, der am 11.02.1825 die Anna Gertraud Ottersbach *11.03.1797 aus Schneppe heiratete.

Sie waren die Stiefbrüder vom Uhrmacher Johannes Friedrich Joest, da alle vier die gleiche Mutter hatten.
(Der Name Thönnes variiert in verschiedenen Schreibweisen, Tönnes, Thones, Thoennes)

1. Gerhard Friedrich Thönnes *16.04.1828 geb. in Schneppe gestorben am 02.04.1900 in Bitzen.
 Er heiratete am 08.03.1852 die Maria Gertraud Fenstermacher aus Bitzen und zog dorthin.
 Trauzeuge war Johannes Friedrich Joest, Uhrmacher in Oberirsen. Er signierte später
 auch seine Uhren mit Thönnes Uhrmacher in Bitzen.

2. Johannes Gerhard Thönnes *29.03.1830 geb. in Schneppe gestorben am 28.11.1917 in Schneppe.
Er war weder verheiratet noch hatte er Kinder. Er gilt als der letzte Erbauer einer bergischen Uhr, die 1914 hergestellt wurde.

3. Peter Wilhelm Thönnes *30.11.1835 geb. in Schneppe und gestorben am 27.02.1890 in Schneppe.  Auch er war weder verheiratet und hatte keine Kinder.

 

Uhrmacher Johann Gerhard Merten

Johann Gerhard Merten *19.01.1824 wird als Sohn von Wilhelm Merten und Anna Gertraud Schmidt in Locksiefen geboren.
Am 31.12.1861 heiratet er die Schwester meines Ur-Ur Großvaters, Maria Lisette Schmidt
*04.09.1843 geb. in Niederalsen.
Er zieht zu seiner Frau nach Niederalsen und arbeitet hier als Uhrmacher. Später zieht die Familie nach Leuscheid und er arbeitet hier als Uhrmacher weiter. Mir persönlich ist keine erhaltene oder signierte Uhr aus seiner Hand bekannt. Er stirbt am 25.01.1906 in Leuscheid. Seine Frau stirbt am 08.03.1917.

                                                                                                                                                                       (HJH)


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